TOUR  2016                                    SÜDSEEINSELN + SÜDAMERIKA


Im neunten Jahr sind wir nun unterwegs.
Den Erdumfang haben wir von der Strecke her längst geschafft.

Und dennoch sind wir erst den halben Weg unserer Reise gesegelt.

Zwischen Theorie und Praxis liegen Welten.
War unsere Planung anfangs, um die Welt zu segeln, entwickelt sich unsere Reiseroute immer wieder weiter.
Erfahrungen kommen hinzu, ebenso Tipps anderer Segelcrews, die wir unterwegs treffen.
Und gelegentlich schickt uns auch der Wind in ein Land, das anfangs gar kein Ziel war. So kommen gelegentlich neue Ziele hinzu und wir begreifen wie unglaublich riesig unser Planet ist.
Immer wieder bestimmt die Natur wann, wie lange und wohin wir segeln.

 

In dieser Saison werden wir einfach nur zwischen den Inselchen bleiben. Keine grossen Passagen.

War doch die Südsee immer DAS ZIEL unserer Reise, darf man doch nicht so ohne weiteres daran vorbeieilen.

Also aufstoppen, verweilen, geniessen !  Die Welt ist schön !!!

 

Über Moskau, Los-Angeles und Papeete erreichen wir das kleine Atoll Apataki. Nur einmal wöchentlich landet hier eine kleine Maschine der AIR TAHITI auf einer kurzen Piste.
Mit ganzen 10 Sitzplätzen....

 

DIE GESELLSCHAFTS INSELN                         ILES DE LA SOCIETE´                             

 

Seit dem Tag, als die ersten europäischen Entdecker Tahiti erreichten, galten die Inseln Französisch-Polynesiens als Synonym für das Paradies auf Erden.

Eine Kombination traumhafter Strände, freundlicher Einwohner und einer idyllisch-friedlichen Lebensart.

Nicht zuletzt trug auch der Maler Paul Gaugin dazu bei, der in den 1890er Jahren der Zivilisation entflohen war und und auf den Inseln der Marquesas sowie auf Tahiti lebte.

Tahiti dominiert die 15 grösseren Inseln des Archipels. Ein Grossteil an Handel und Industrie wird hier abgewickelt.

Es sei ein Land für sich, behaupten viele.

Tahiti mangelt es nicht an Atraktionen. Sehenswert ist vor Allem das steile, zerklüftete Bergland.

Für einsame Bilderbuchstrände und türkisblaues Wasser mit bunten Korallenriffen sollte man die anderen Inseln wie etwa Bora Bora ansteuern.

Für Erlebnisse der besonderen Art bieten sich die einsameren Inseln Moorea und Huahine an.... So der Reiseführer.

 

Nur 10sm von Tahiti entfernt liegt Moorea. Acht Berge, gesäumt von hohen Palmen auf der einen, die Brandung des Pazifiks auf der anderen Seite. Umgeben ist die Insel von einer türkis schillernden Lagune, in der in den ruhigen Wassern Kanumannschaften für Wettrennen trainieren.

Die von Korallen und Motus durchzogene Lagune lohnt sich zu erkunden.

Man sieht die riesigen Mantarochen und andere Grossfische, die in den klaren Wassern nach Nahrung suchen.

Auch Huahine ist umgeben von einer türkisen Lagune. Kleiner und von der Zivilisation weniger geprägt als Moorea, strahlt diese Insel noch weitgehend Ursprünglichkeit aus.

Faszinierend ist auch die Unterwasserwelt dieser Inseln. Während Schnorcheln in der Lagune zu einem atemberaubenden Erlebnis wird, bieten die Riffe fantastische Tauchgründe.

Archeologische Stätten, die Marae auf Huahine vermitteln einen Einblick in die Herkunft der Insulaner. Maeva Marae war Sitz der Könige von Huahine und der wichtigste von über 200 verschiedenen Steintempeln.

 

Als Übersee-Territorien Frankreichs besitzen die Inseln bis heute noch echtes Französisches Flair.

Auch das Rechtssystem folgt Französischem Grundsätzen.

De facto sind sie ein teil Frankreichs und wirtschaftlich von ihrem Mutterland und somit auch von Europa abhängig.

Das Haupteinkommen wird erzielt durch den Export schwarzer Perlen, die auf den Inseln und Atollen gezüchtet werden.

Wunderschöne Erinnerungen an einen Besuch in einem tropischen Paradies.

 

 

- La Perle cultive´ ,  zum Verkauf geeignete Perlen

- Atombombentest auf Muroroa / Tuamotus bis 1997  (Foto: Patrick Deneuve) Merci !!

 

 

 

 

 

 

 

 TOTORO  /  APATAKI         015°33´36 S 146°14´50 W

 

 

 

 

 

Seit Mitte März sind wir jetzt wieder an Bord. Wenn „an Bord“ auch zur Zeit noch an Land steht.

 

 An Land auf einem Motu, eines dieser vielen Inselchen, die ein Atoll umgeben.

 

Ein Atoll in den Tuamotu–Atollen, die eine traurige Berühmtheit erlangten da Frankreich hier über 200 Atombomen zur Explosion brachte. Der letzte dieser umstrittenen Tests 1997...

 

Auf dem benachbarten Muroroa Atoll. Unter – und auch überirdisch.

Zwei Atolle wurden regelrecht durchlöchert. Und jedes Mal verseuchte die Strahlung weite Teile des Inselparadieses und hinterließ bis nach Papeete 1000de strahlenkranke Menschen. Die meisten überlebten nicht.

Etwa seit 2010 gibt es wieder mehr Leben auf diesen Inseln, da radioaktive Strahlung in Wasser und Luft nicht mehr messbar.

 

 

 

 

 

 

 

Bereits nach zweieinhalb Tagen haben wir die wichtigsten Arbeiten erledigt und werden gewassert. Rekordzeit, immerhin sind wir zu dritt. Uns hält hier wenig, denn es gibt hier kaum etwas. Ausser Kokosnüssen und Eiern.

Auf dem Boot wohnen neben uns dreien mehrere Hundertschaften kleiner Atoll-Ameisen und etwa 20 Geckos – die jedoch leider keine Ameisen mögen...

 

 

 

 HOROHORO  (APATAKI NORD)        0015°18´34 S  146°23´21 W

 

 

 

 

 

Wir segeln 10sm durch das Atoll. Mit aufmerksamem Ausguck, denn es gibt viele gefährliche Riffköpfe, die aus 20m Wassertiefe bis an die Oberfläche reichen und ein Schiff im Vorbeifahren aufschlitzen können.

 

Ein paar Tage verbringen wir neben einer an Land wohnenden Familie. Sie leben von der Copraherstellung und vom Fischen. Schnell kommen wir mit Ihnen in Kontakt als sie nach einem Sägeblatt fragen. Dieses finden wir so schnell nicht aber wir bekommen einen 8kg schweren Barsch geschenkt.

 

Tags drauf finden wir das Sägeblatt und überbringen dieses. Auch können wir die eiternden Verletzungen von Ura behandeln denn Medikamente haben wir reichlich an Bord so dass er die Salbe behalten kann.

 

Am nächsten Morgen fragen sie uns, ob wir mitfahren wollen zum Fischen. Andi ist Feuer und Flamme und mit Leine und Handschuhen bewaffnet geht es mit dem Motorboot zum Nordpass.

 

Bereits aus dem Boot kann man erkennen welche Fische in 30m Tiefe auf die Köder warten.

 

Ein leichtes Spiel. Nach 30 Minuten liegen 10 kapitale Grossfische im Korb. Drei bekommen wir und mit den anderen wird später in Apataki-“Stadt“ Benzin bezahlt. Wie einfach.

 

 

 

 

 

RANGIROA                      014°58´08 S 147°38´35 W

 

 

 

Mit einem Nachttörn erreichen wir das Atoll Rangiroa.

 

Das grösste auf dem Globus lesen wir.

 

Ein Schlag von 80sm. Bei recht leichtem Wind ohne nenneswerte Welle.

 

Jürgen bekommt die See nicht so richtig und ist heilfroh, dass wir einen absolut wackelfreien Ankerplatz finden.

 

Nach 12 Stunden auf See verlieren wir hier um ein Haar unser Boot:

Vor der Küste Rangiroas fahren wir noch im dunklen in ein riesiges Treibnetz und verheddern uns fürchterlich.

Das Boot treibt manövrierunfähig mit der Strömung Richtung Land ...    Stresssss. Jetzt läuft die Zeit....

 

Viermal sägen wir die 42mm dicken Trossen durch, bis nur noch ein paar Quadratmeter des Netzes mit einigen der grossen Auftriebskörper unter dem Boot festhängen. Schweissgebadet...

 

Glücklicherweise löst sich das Paket kurz bevor wir auflaufen, als wir mit der anderen Seite verzweifelt rückwärts Gas geben.

 

Auf dem Foto kann man den Meeresboden schon erkennen.

 

 

 

Da haben wir offenbar schwer Schwein gehabt !!

 

 

 

Auf Rangiroa finden wir einen Supermarkt, der superfrisches Gemüse hat. Das Versorgungsschiff Aranui 3 war gerade hier und hat viele frische Sachen mitgebracht.

 

Die Laune bei den Locals ist entsprechend. Aber auch bei uns steigt die Laune, denn der Fisch wird ab sofort mit Gemüse serviert...

 

 

 

14 Tage später segeln wir nach Tahiti.

 

Schwacher Wind, wenig Seegang aber nachts ein 8-stündiges Gewitter, welches uns schnell segeln lässt.... Computer alle im Backofen.

Angst vor einem Volltreffer !!

Der Wind beschert uns aber auch einen Seegang in Höhe von etwa drei Metern.

Jürgen liegt seekrank unter Deck, bei geschlossenen Luken.

Nach 40 Stunden erreichen wir die Hafeneinfahrt von Papeete und lassen uns über Funk einweisen. Zwischen Fähren, Frachtern und tieffliegenden Flugzeugen.

 

 

 

 

 

 

TAHITI, PAPEETE          017°34´56 S   149°37´26 W

 

 

 

Wir sind zurück in der Zivilisation: Busse, Autos, Kreuzfahrtschiffe und Touristen. Hafenanlagen, Jetskis, Schnellboote und Katamaranfähren. Aber auch Versorgungsmöglichkeiten und Supermärkte. Hier gibt es beinah alles, was das Herz begehrt.

 

 

 

Mittendrin die schon oft beschriebenen Schönheiten Polynesiens. Üppig und zuweilen auch übertrieben tuntig.

 

In der polynesischen Kultur werden oft kleine Jungen als Mädchen aufgezogen, damit die Mutter Hilfe im Haushalt hat, oder früher, dass die Jungen nicht in den Krieg ziehen mussten. Diese Männer/Frauen sind

in der heutigen Gesellschaft voll anerkannt und nur von Touristen und von uns bestaunt.

Die schönsten trifft man in der Nachtbar hören wir. Die nicht so hübschen auf dem Markt.

 

 

 

Gemeinsam mit Jürgen mieten wir ein Auto und machen eine Inselrundfahrt um Tahiti. Alles blüht und nach dem kargen Atollleben in den Tuamotus, erschlägt uns die grüne Pracht. Hier regnet es ausreichend und man braucht nur einen Zweig fallen zu lassen, schon wächst er an.

 

Und am Abend auf der Promenade kann man die Rodunde geniessen. Jeden Nachmittag werden ab 18:00 die fahrenden Küchen aufgebaut , der Wok rausgeholt und los gehts.

Für 5-10 Euro ist man dabei. Das Essen ist besser als in manchem Nobelrestaurant.

Papeete ist quirlig aber interessant und exotisch. Wenn es nur nicht so heiß wäre.

 

 

 

Am 02.04. nehmen wir am Airport endlich unseren vermissten Koffer in Empfang. Aufgebrochen und um viele wichtige Kleinigkeiten erleichtert.

 

Ein Handzettel in kyrillischem Russisch, nicht zu verstehen.

 

 

 

( Die angegebene Email von Aeroflot war offenbar nicht zufällig falsch. Die richtige gab es erst, nachdem die 7-Tage-Frist abgelaufen war !

So läuft´s, bei AEROFLOT !! )

 

 

 

Aber dennoch, die meisten der dringend benötigten Ersatzteile sind da....

 

 

 


Leider verlässt uns Jürgen bereits hier. Er hat genug von der Schaukelei und dem wirklich schwer zu ertragenden, feucht-heissem Klima. Das hatten wir nicht gebucht. Weiteres Manko ist das ständig nicht funktionierende Internet und somit der fehlende Kontakt nach hause, obwohl unsere AIRMAIL-Funkanlage gut funktioniert.

 

 

 

Wir klarieren das Boot, kaufen ordentlich ein und wollen an Land noch die Emails checken – leider ohne Erfolg, wie so oft. Was sind wir verwöhnt...

 

 

 

Auch wenn man hier alles bekommt - es hält uns nicht sehr lange in Papeete.

 

 

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MOOREA EST                                017°32´13 S 149°46´23 W

 


Nur 10sm nordöstlich liegt Moorea, die Insel die die Götter den Polynesiern geschenkt hatten – so die Sage.

 

Zwei Stunden später fällt der Anker in 2,5m tiefes, türkisblaues Wasser. Angekommen in Papaa, Moórea est.

 

Etwa 100m hinter dem Aussenriff liegt das Boot so ruhig wie aufgebockt. In den Korallen schwimmen allerlei bunte Fische und ab und zu „fliegt“ ein grosser Stachelrochen oder ein Schwarzspitzenhai vorbei.

 

Über Wasser trainieren die Locals in Booten für dem Tahiti-Marathon, ein Ruder & Lauf-Wettkampf, der alle paar Wochen stattfindet.

 

Ein paar hundert Meter weiter nördlich betreibt ein Polynesier das Lagunarium. Hier kann man zusammen mit Haien und (entstachelten) Stachelrochen schnorcheln. Er füttert die Tiere seit langem und so sind diese für Schwimmer nicht mehr gefährlich.

 

 

 

Moorea ist rundherum von Schutzriffen und somit von einer traumhaft schönen Lagune mit ruhigem, türkisfarbigem Wasser umgeben.

 

 

 

Um die Insel zu erkunden mieten wir einen PKW. Seit einem Unfall auf Martinique sind wir AVIS-geschädigt. Damals war trotz Vollversicherung unser 650,-Euro teures Deposit futsch, für einen nicht verschuldeten Unfall...

 

 

 

Die Insel ist unglaublich schroff, steil und bergig. Bis zu 1200m sind die meist in Wolken gehüllten, mit Regenwald überwucherten Felsen hoch. Die Wasserfälle haben Ebbe, denn derzeit ist Hochsommer, die regenarmere Jahreszeit.

 

In der Inselmitte, im Regenwald finden wir einen Aussichtspunkt, von wo man einen prima Blick in die Baie de Cook, wie auch in die Baie de Opunohu hat.

 

Auch mehrere altpolynesische Tempelreste können entdeckt werden. In Papetoai finden wir eine achteckige protestantische Kirche, die um 1920 auf den Fundamenten eines polynesischen Tempels errichtet wurde und heute die älteste Kirche im gesamt Polynesischen Raum ist.

 

Auf Moorea wird Annanas angebaut. Es gibt riesige Felder, die bräunlich-welk aussehen und daher die Pflanzen unspektakulär wirken lassen.

 

Nach 4 Stunden haben wir 60km gefahren und die Insel umrundet, ohne dass wir uns beeilt hätten. Die Strassen sind kurvenreich und haben sehr tiefe Schlaglöcher... Also Vorsicht.

 

Wenngleich die ausgewiesenen Orte noch nicht einmal Dörfer sind, es leben ja nur wenige tausend Menschen auf Moorea, den quirlig beschriebenen Hauptort Maharepa hat man schnell durchfahren, ohne dass man gemerkt hätte durch eine Ortschaft zu fahren.

 

Immerhin finden wir einen gutsortierten, Champion-Supermarche.

 

Eine schöne Tagestour um diese unglaublich bergige, kontrastreiche Insel.

 

 

 

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MOOREA, BAIE DE OPUNOHU           017°29´39 S, 149°51´07 W

 

 

 

Nur 10sm trennen uns von dem nächsten schönen Ankerplatz. In der Baie de Opunohu liegt man vor einem palmenbestandenen Public Beach, wo während der Wochenenden viele Locals baden.

 

Hier gibt es auch zwei gute Tauchspots:

 

Rosegarden“ liegt in 18-28m Tiefe. Wir sehen neben vielen anderen Fischarten auch Zitronen-, Schwarzspitzen- und Grauhaie. Leider hat der Spot auch einen Haken: Die Strömung im Wasser ist so heftig, dass man kaum dagegen anschwimmen kann. Ab 15m relativiert es sich ein wenig aber es sind Stresstauchgänge. Auch mit Kompass ist die Navigation unter Wasser sehr schwierig...

Wir tauchen zusammen mit Bernard, ein Franzose, der bereits seit 27 Jahren zusammen mit seiner Frau Carmen auf dem Boot lebt. Er war Marinetaucher und ist seit drei Jahren hier – er kennt sich aus.

 

Der zweite Spot, „The Canyon“ liegt gleich neben der Passdurchfahrt und ist aufgrund der extrem starken Strömungen zu gefährlich.

Wir nehmen dies als Rat und tauchen dort nicht.

 

Das Schnorcheln hingegen, in 3m tiefem Wasser, gut geschützt hinter dem Aussenriff ist prima. Wenn auch viele Korallen im Absterben begriffen sind und von einer wuchernden Pilzschicht überwachsen werden. Das Wasser ist einfach zu warm, wir hatten noch vor kurzem eine EL NINO – Periode. Dennoch sehen wir Schwarzspitzenhaie und die übliche Vielfalt an bunten Rifffischen.

 

An Land gibt es nicht allzu viel. Neben dem Beach gibt es einen kleinen Chinesischen Supermarkt. Überwiegend Produkte mit langer Haltbarkeit. Immerhin... Ansonsten ist da noch die Bushaltestelle, von wo mehrmals täglich ein Bus ins 1000 Einwohner grosse Maharepa fährt.

Ganz stolz sind die Einwohner ein eigenes Auto zu besitzen.

Hier fahren tausende, obwohl die Uferstrasse gerade einmal 60km lang ist.

 

 

 

 

 

 

 

Oh wie schön ist es wenn es hell wird !!

 

Seit gestern Abend sind wir unterwegs von Moorea nach Huahine und segeln nun wenige Meilen vor der Südküste Huahines.

Man kann schon einzelne Lichter erkennen. Trotz der berechneten 5sm zur Küste. Vermutlich ist die Insel in der Seekarte nicht genau dort wo sie sein sollte.

 

Besser noch etwas mehr Abstand ?  Kursänderung...

 

Eine Stunde später wird es endlich hell. Jetzt kann man den genauen Küstenverlauf bzw. die Riffbrandung erkennen.

Beruhigt fahren wir wieder näher an die Küste, die letzten 12sm.

Die Welle kommt mit einer Höhe von etwa 3m von achtern und wir laufen in den Surfphasen Gefahr eine Patenthalse zu riskieren.

 

Erst kurz vor dem Pass gehen die Segel weg, nach 14,5 Stunden.

 

 

 

 

 

FARE  /  HUAHINE                     16°42´77 S 151°02´31 W

 

 

 

Autofahren ist einfacher. Man wird nicht durch Strömungen versetzt und man braucht nicht die Windabdrift zu beachten“, meint Petra nach ihrer ersten absolut selbstständigen Riffpassage.

Schön wenn es aufhört zu schaukeln und das Boot in ruhiges Wasser einfährt. Huahine, Passe de Fare.

 

Wir liegen als einziges Boot an einer der vielen kostenfreien Mooringbojen statt vor Anker, direkt vor dem kleinen Hauptort Fare.

An Land trauen wir unseren Augen kaum: Kleine Boutiken, Läden,

ein Air Tahiti Office und ein zunächst winzig aussehender, von innen jedoch riesiger Megamarkt namens "Super-U".

An der Pier Chartercatamarane aus Raiatea, die hier bunkern.

Ist es hier günstiger ?  Lockere Betriebsamkeit überall. Am Wasser sitzen ein paar Jungens bei polynesischen Rap.

Alle sind aufgeschlossen und grüssen freundlich.

 

 

Im Moment wechselt das Wetter, die heisse Sommerzeit geht zu Ende und es ist recht windig. Schauerwetter mit kurzen, warmem Regenschauern, die richtig gut tun.

 

Wir packen die Drahtesel aus und besuchen die archäologischen Stätten Haumaru und Mare Fare Mire im Norden der Insel.

Auf der Ostseite entdecken wir präpolynesische Fischreusen aus Stein. Über 1000 Jahre sind sie alt, die Pae Pae bei Maeva. Restauriert funktionieren diese bis heute. Es verirren sich erstaunlich viele Fische, auch grosse, in diesem Labyrinth sehen wir.

 

In Faie verehrt man die heiligen, blauäugigen Ohrenaale. Auch die Perlenfarm kann von Fare aus besucht werden. Mit einem Auslegerboot geht es über die Lagune, wo auf einem kleinen Riffsockel ein kleines Haus auf Stelzen steht. Hier wird ausgiebig erklärt wie Austern manipuliert und so Perlen gewonnen werden. Natürlich kann man diese auch erwerben, zu exklusiven Preisen.

 

Die Küstenstrasse verläuft weiter über eine etwa 200m hohe Erhebung, steigt mit 15% an und passiert den Mirador, von wo aus man über die Baie Maroe, die innere Lagune sehen kann. In Vaioa verbindet eine gemauerte Brücke die Inseln Huahiene Nui und Huahine Iti.

 

Über Fitii und Tahateano geht es zurück nach Fare, wo wir in einer Ecke einem schwer beschädigten Katamaran finden. Er muss erst vor kurzem auf ein Riff gelaufen sein und ist noch nicht gänzlich ausgeschlachtet.. Totalverlust, wie tragisch. Hoffentlich war er versichert. Insgesamt fahren wir 26km um Huahine Nui. Wesentlich schöner als mit einem PKW.

 

 

 

Das nächtliche Rumpeln an Bord hatten wir nicht weiter beachtet. Es war ja recht windig. Wir hatten nächtlichen Besuch. Am nächsten Morgen erfahren wir von unseren Nachbarseglern, dass bei ihnen der 15PS Aussenborder aus ihrem aussenbords, neben dem Boot hochgezogenen Dinghi abgebaut und entwendet wurde. Wie gemein.

Auf einem anderen Boot wurde die Schutzkappe des Aussenborders abgenommen, so dass man sehen kann was sich darunter verbirgt – er war mit 10PS offenbar nicht das Wunschmodell der Diebe – genau wie bei uns....

 

 

 

So liegen wir vor dem kleinen Ort, sichern über Nacht das Dinghi und Motor mit Ketten und schweren Schlössern und warten geduldig auf den Durchzug dieses Tiefdrucksystems.

Seit gestern Abend regnet es ununterbrochen. Morgen soll der Wind bis 28kn auffrischen – für drei Tage.

 

 

 

Wie viele Tonnen hält eine Mooring ?

 

Wenn wir vor Anker gehen kontrollieren wir den Sitz des Ankers. Schnorchelnd. Immer wenn dies irgendwie möglich ist. Ebenso beim Festmachen an einer Mooringboje.

 

Jetzt, im Dunkeln, mitten in der Nacht geht nichts mehr der gleichen.

Es heult und pfeift mit bis zu 35kn Wind. Dummerweise läuft die starke Strömung nicht genau mit dem Wind, so dass sich das Boot immer wieder gegen die Windrichtung drehen will.

Bei der neben uns ankernden Yacht bricht nachts der Anker aus und das Boot treibt gefährlich nahe Richtung Riff bevor die Crew aus Hawaii dies merkt und neu ankern kann. ( lautes Hupen... )

Ein stundenlanges Manöver, denn die Sicht ist durch den starken Regen arg eingeschränkt und der Seeboden besteht aus Korallen, sodass sich der Anker nicht eingraben kann sondern bestenfalls irgendwo hängen bleibt.

 

Eine unruhige Nacht mit Ankerwachen auf allen Booten.

 

 

Fast alle Havarien beruhen auf einer Verkettung unglücklicher Umstände....

 

Das leise Rumpeln bekommen wir im Heulen des Sturms nur mit, da wir im Salon Ankerwache halten. Der Blick im Halbdunkel nach achtern zeigt, dass unser Kajak, was wir vor Tagen bei gutem Wetter auf dem Vordeck ungesichert abgelegt hatten, in hohem Bogen über den Catamaran in die See geflogen ist.

 

Schnell ketten wir das Dinghi los, werfen noch einen Resevekannister hinein und sausen dem eilig davontreibenden Kajak hinterher. Erst als das Schlauchboot schon halbvoll mit Salzwasser gefüllt ist, bemerken wir, dass der Stopfen noch gezogen ist und es immer mehr Wasser aufnimmt.

Es will absaufen...

Das mittlerweile gekenterte Kajak kann nur sehr schwer abgeschleppt werden und wird zunächst auf der hinter uns liegenden DESTINY gesichert. Nur die Abdeckung und ein paar Flipp-Flopps gehen verloren.

 

Da hat sich das Wachegehen wirklich gelohnt !

 

Und das ganze hat auch etwas gutes: Der Windgenerator sorgt für volle Bordakkus und die Wassertanks sind auch wieder randvoll mit frischem Regenwasser.

 

 

 

 

GEWITTER

 

 

 

Seit 5 Tagen regnet es nun wieder, beinahe ununterbrochen.

Ergiebigst.

 

Auch wenn der Sturm längst durchgezogen ist, das Wetter ist nicht das was man sich wünscht.

 

Wie zwei Kanninchen auf der Schlachtbank kommen wir uns vor, als um uns herum nun ein fürchterliches Gewitter tobt. Es hatte nachmittags begonnen und erreicht dann gegen 01:00 Nachts seinen Höhepunkt.

 

Die Blitze blenden extrem durch die regengefüllte Luft und wir hören es laut knacken, wenn es blitzt, obwohl die Einschläge weiter als einen Kilometer weg sein müssen.

Drei Sekunden sind etwa ein Kilometer. Wir zählen und bangen...

 

Das Boot bebt regelrecht und vibriert durch die tiefe Frequenz des lauten Donnerns. Das Heulen des Windes und das Prasseln des Regens erzeugen eine regelrechte Weltuntergangsstimmung.

Der Wind dreht innerhalb von 12 Stunden von Ost über Nord bis West. Es bläst mit bis zu 36kn und die Dühnung läuft nun ungebremst durch den Pass bis zu uns.

 

Gegen 04.00 ist der Zauber vorbei und wir schlafen nun den Rest der Nacht im Salon. Das Ganze System ist nach Westen weitergezogen.

 

Nach dem Frühstück am Morgen hören wir aus Westen noch immer ein kraftvolles Grollen. Zwei Stunden später ist das System zurück und es geht weiter. Diesmal bei Tageslicht, nur halb so spektakulär und gespenstig wie Nachts aber dennoch unvermindert.

 

Über Nacht sind unsere aufgestellten Behälter randvoll mit Regenwasser gefüllt. Es hat über 380mm ( !! ) geregnet. Es kann also nun gewaschen werden.

Besser erst später, denn jetzt würde es nicht trocknen.

 

 

 

Das Wasser um uns herum ist mittlerweile eine trübe, braune Brühe. Die Flüsse schwemmen allerlei Sedimente aus den Bergen ins Meer. Erstaunlicherweise ist die Brühe nur an der Oberfläche braun.

Süsswasser ist eben leichter und schwimmt oben.

 

 

 

So ist es halt so, wie es eben ist - auch wenn wir hoffen, dass das Wetter sich nun bald mal wieder stabilisiert und es aufhört zu schütten. Es müsste ja nun bald mal alles unten sein.

 

Wir können nur abwarten und uns die Zeit so angenehm wie möglich vertreiben: Lesen, Gymnastik, Kleinreparaturen und Musik hören - und es wird ein Kuchen gebacken....

Die Sicht beim Schwimmen oder Schnorcheln ist durch Sedimente und Treibgut arg eingeschränkt.

 

 

Nach jedem Regen kommt auch wieder Sonnenschein.   Irgendwann...

 

 

 

Als der unverständlich schnell auf Französisch gesprochene Wetterbericht von einer Depression mit neun Beaufort spricht gibt es ein wenig Panik. Boote flüchten nach Süden in die geschlossenen Buchten. Unser Steuerbord Motor will nicht anspringen.

Wir testen und prüfen unter Zeitdruck. Es muss der Dieselfilter gewechselt und die Leitung wieder entlüftet werden.

Etwas später läuft er wieder, aber es ist jetzt fast dunkel – zu gross das Risiko, wir bleiben...

 

 

 

Die Depression kommt Nachts, in Form eines weiteren dicken Gewitters. In dieser Nacht gibt es auf einer nur 0,5sm entfernt liegenden Yacht einen Blitzeinschlag....   Volltreffer !

 

Zu allem Überfluss wird in dieser Nacht auf genau diesem Boot ebenfalls der Aussenborder des Dinghis geklaut, hören wir am nächsten Tag.

Vom Pech verfolgt.

 

Bei uns geht nach diesem Gewitter das GPS nicht mehr.

Da das gleiche Gerät als Reserve dabei ist, lässt sich schnell feststellen, dass es nicht die Antenne ist.

Ausschlussdiagnostik... Auch das Gerät arbeitet normal.

 

Etwas später steht fest, die Verdrahtung muss korrodiert gewesen sein, denn nach erneutem Ab- und Anklemmen empfängt und läuft alles wieder tadellos.

 

 

 

Am Samstag, 23.04. fahren wir nach 7 Tagen Dauerregen bei aufgerissener Bewölkung endlich weiter in den Süden und gehen in der fjordähnlichen Bucht Ha-apu auf Huhahine Iti an eine Mooring. Vor uns liegen bereits zwei Boote und als wir dort vorbeischauen bekommen wir von einer Polynesischen Crew nicht nur Tipps für das Anlandgehen sondern auch einen nautischen Führer durch Polynesien geschenkt.

Er habe das Buch doppelt und das Englische nie benutzt. Mittlerweile brauche er eh kein Buch mehr...

 

Wie nett !! Vielen Dank Germon !!

 

Das andere Boot ist der Catamaran DUAL DRAGONS, mit Nanni und Ben

 

aus Holland. Ben kennen wir schon vom Wäschewaschen in Papeete. Sofort sind wir eingeladen und erzählen. Es wird ein langer, schöner Abend. Leider fahren sie Tags drauf zurück nach Papeete um dann nach Hawaii zu segeln.

 

 

 

Nach 14 Tagen haben wir trotz des überwiegend miesen Wetters Huahine ausgiebig erkundet.

 

Zwei grössere Fahrradtouren hatte es gegeben. Um Huahine Nui, die Nord- sowie um Huahine Iti, die Südinsel. Huahine war Jahrtausende lang der Sitz der Polynesischen Könige. Entsprechend viele alte Tempelstätten gibt es, von denen leider nicht sehr viel erhalten geblieben ist. Die Locals sind sehr freundlich und man kommt sehr schnell mit ihnen ins Gespräch.

 

Wir hatten Papajas, Breadfruits, Bananas und Maracujas gefunden und geerntet. Die Früchte wachsen meist wild am Strassenrand, ohne dass sie jemandem gehören würden. In der Lagune auf der Ostseite entdecken wir die RED HARLEKIN mit Erwin und Jrmina. Wir besuchen die beiden am Folgetag mit dem Dinghi. Hin und zurück ganze 10sm, ohne Pannen oder Zwischenfälle. Es geht durch die Buchten und den Kanal, der die beiden Inseln verbindet, also nicht durch offenes Wasser. Mit Reservekannister, Ipad wegen der Navigation, Trinkwasser, Anker und Werkzeug... Mit 13,5kn.

 

Ein Überraschungsbesuch bei den beiden aus der Schweiz. Wir kennen uns bereits seit der Karibik und traffen uns in Cuba, Guatemals, Honduras und Panama immer wieder.

 

 

 

An der Westseite liegen wir eine Woche lang 6m über den Korallen an einem herrlichen Spot. Leider dürfen wir beide nicht ins Wasser, da wir beide Schnittverletzungen an den Händen haben. Infektionsgefahr.

Petra hatte ihr neues Keramikmesser ausprobiert und ich hatte eine grosse Muschel gesäubert. So warten wir ab, lesen, basteln und reparieren viel. Das Licht unter Wasser ist im Moment eh nicht so toll, da es ständig bewölkt ist.

 

Morgen geht es weiter, auf die 20sm entfernte Nachbarinsel Raiatea...

 

 

 

 

 

 

RAIATEA , UTUROA 16°42´93S 151°26´37W

 

 

 

Das Wetter ist gnädig mit uns: Kein Regen, kein Gewitter – aber leider auch kein Wind zum segeln. So motoren wir die 20sm gen Westen. Wir waren vorher noch in Fare, im Super-U, frisches Baguette kaufen und sind dann mit etwas Verspätung erst gegen 11:00 ausgelaufen. Gegen 16:00 laufen wir durch den Pass vor Uturoa und sehen das Ankerfeld gleich neben uns. Wir finden jedoch die Einfahrt durch die Riffe nicht, denn das Licht ist bereits besorgnisserregend dunkel. So laufen wir weitere 6sm durch die Lagune bis Tahaa und ankern ersteinmal neben anderen Yachten am Aussenriff.

 

Zwei Tage später motoren wir zu einer Stelle zurück, an der wir einen Katamaran aus den Riffen laufen sahen.

 

Und siehe da, die Einfahrt durch das nur knapp unter der Wasserlinie liegende Korallenriff, nur etwa 12m breit aber immerhin 2m tief. Ganz anders als in den Seekarten. Nur bei guter Sicht vorsichtig machbar. Nun liegen wir etwa eine Meile vor dem Hauptort Uturoa 1,50m über feinem Sand inmitten des hier etwa 400m breiten Aussenriffes.

 

Als der Anker liegt, fallen uns fünf Schwarzspitzenriffhaie auf, die unser Boot neugierig umkreisen. Auch das Andi ins Wasser geht stört sie nicht, offenbar sind sie nicht hungrig. Es ist schön in diesem flachen Wasser, es gibt viele grosse Stachelrochen, die majestätisch „vorbeifliegen“ oder im Sand nach Muscheln suchen.

 

Leider wird das Wetter wieder schlechter. Es bläst nun mit 28kn und es schüttet kübelweise Süsswasser von oben. Das Boot zerrt an der Ankerkette und arbeitet heftig. Die Geräusche sind angsteinflössend laut, besonders im Dunkel der Nacht.

 

Immerhin haben wir von hier nur eine einzige Meile mit dem Dinghi bis zur Zivilisation: Es gibt eine Markthalle für Gemüse, mehrere Supermärkte, Elektronikgeschäfte, Chinaläden, Boutiken und sogar einen Markt in Utoroa.

 

Und Nautisport, einen Nautik- Angel- und Tauchladen !!!

 

 

 

Dienstag besuchen wir die 5km entfernte Marina C.S.I.

 

Im Stechschritt zu Fuss, bei Regen. Die Räder bekommen wir wegen der Wellen nicht trocken an Land. Wir sind etwas enttäuscht, denn Katamarane werden dort nicht sicher auf ihre tiefliegenden Kiele abgestellt, sondern auf etwa 3m hohes „Craddles“, welche dann mit einem Stapler rangiert und weggefahren werden können. Das Ganze sieht ungewohnt komisch aus, was passiert bei einem Sturm ? Der letzte Hurrican war vor 12 Jahren erzählt Karin, die Marinamanagerin auf Hochdeutsch – alles kein Problem...

 

Wir sind enttäuscht und haben beide ein überaus schlechtes Gefühl bei dieser Art des Aufbockens von Booten.

 

`Wer hoch steht kann auch tief fallen,´ überlegen wir und Stürme sind hier gar nicht so selten.

 

Wir haben ja Bedenkzeit, etwa eine Woche....

 

In der Marina liegt auch die CASA BIANCA, aufgebockt in 3m Höhe. Kurt und Brigitte treffen wir leider nicht. Wir hinterlassen eine Nachricht mit unseren Plänen und Daten …

 

Das Wetter hat sich mittlerweile stabilisiert.

 

Stabiles, dauerhaftes Sch....wetter !! Zu dieser meterologischen- gesellt sich nun unsere ganz persönliche Depression : Die Südsee hatten wir uns gänzlich anders vorgestellt. Da will man nach hause... Wie lange müssen wir dies noch aussitzen ?

 

 

 

Drei Tage später klart es auf. Wir fahren erneut zu C.S.I. Dort gibt es einen kleinen Bootsausrüster. Bereits das zweite Auto stoppt, als wir den Daumen heben... Ganz normal auf diesen Inseln erfahren wir. Man reist gut, schnell und kostenlos als Anhalter, weil die Busse nur selten fahren. Bei C.S.I. bekommen wir endlich eine neue Bilgenpumpe für den Motorraum und auch die schwere reckbare Leine für den Hahnepot. Und wir treffen Brigitte und Kurt wieder.

 

Kurt hatte uns vor etwa 5 Jahren so ausgiebig seinen Catamaran, die CASA BIANCA gezeigt und offen auf Probleme dieses Typs hingewiesen, dass wir fortan von der Idee einen Cat zu kaufen nicht mehr loskamen. Eine schöne Begegnung, wenn auch die beiden unter Zeitdruck stehen. In einer Woche wollen sie in Papeete sein, um mit dem Flieger Rapa Nui, die Osterinsel zu besuchen. Noch stehen sie hoch und trocken. Zumindest Salzwassertrocken...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kanibalismus auf diesen Inseln bis 1949

 

Das kann man sich kaum vorstellen:

Mit der traditionellen Schwertkeule K.O. Geschlagen erwachte das Opfer an einen Pfahl gebunden, auf dem Weg zur Feuerstelle. Begleitet mit lautem, rhytmischen Trommeln und polynesischem Gesang. Ein echtes Event...

 

Die Opfer wurden lebendig gegrillt und dann feierlich verspeist.

 

im Hintergrund die zahlreichen Schädeltrophäen.

 

 

 

TAHAA, Baie de Apu 16°40´90S 151°29´20W

 

 

 

Mittlerweile liegen wir in der Bucht Apu auf Tahaa an einer Mooring und kommen sogar an Land. Wir packen erneut unsere Fahrräder aus und radeln zur Vanillefarm. Ein kleiner Betrieb, der seit Generationen Tahitivanille anbaut.

 

Bei dieser Sorte wird anders als bei Burbonvanille nicht das Mark entnommen, sondern die Schoten werden einfach der Sosse zugegeben und mitgekocht. Bis zu fünf mal, wenn man sie zwischendurch wieder trocknet, erfahren wir.

 

Der Anbau dieser Pflanzen erfolgt auf kleinen Bäumchen einer anderen Art, an der die Vanille ranken kann. Die Bestäubung erfolgt von Hand, da die Blüten nur sehr kurz aufblühen. Die Schoten werden grün gepflückt und reifen in Säcken nach bis sie dunkelbraun geworden sind. Nun werden sie täglich für fünf Stunden in der Sonne getrocknet und zwischendurch gerieben oder „massiert“ wie uns der Vanillebauer erklärt. So wird das Aroma der Schoten intensiever. Vier bis sechs Wochen lang, jeden Tag.... So erklärt sich der Preis.

 

Der süsslich, angenehme Duft ist weithin gut wahrnehmbar.

 

 

 

Da wir gut in der Zeit sind radeln wir nicht einfach zurück, sondern fahren um den Südteil von Tahaa herum. Man kann sich nicht verfahren, denn es gibt nur die Küstenstrasse, immer am Wasser entlang.

 

In Hamaene liegen ebenfalls drei Moorings für Yachten. Hier gibt es sogar eine „Strandpromenade“. Fast 400m lang aber ( noch ) ohne Sand und Strand. Entlang des Wassers im Scheitel der grossen gleichnamigen Bucht. Einzige Atraktion in fast allen Buchten ist immer ein Restaurant. Neben eines grossen Supermarche gibt es noch die einzige Pharmacie auf der Insel.

 

Kurz vor der Dunkelheit sind wir wieder an Bord, mit vielen Eindrücken und Erlebnissen.

 

 

 

Da hier allen Küsten ein nur 20cm tiefes Flachwasser bzw. ein Korallenplateau vorgelagert ist, kommt man nur selten an Land. Ankern ist ebenfalls schwierig, da die Wassertiefe am Rande des Plateaus direkt auf 30 – 40m abfällt. Zu tief zum Ankern. So freuen wir uns wenn in einer Bucht ein paar neuere ( sichere ? ) Mooringbojen ausliegen.

 

 

 

Am Wochenende startet gleich neben uns die TAHITI PEARL REGATTA.

 

Bei Polynesiern und bei Seglern gleichermassen ein Riesenevent. Es starten dutzende Boote, aller Grössen und Klassen, die nach dem Zieleinlauf über den Yardstickfaktor „gerecht gerechnet“ werden. Dabeisein ist alles und so kommt es, dass auch deutsche Crews, die gerade mit der ARC–ARROUND THE WORLD,

 

einer anderen Regatta, hier verweilen, die Pearl Regatta mitsegeln. Es sind

 

50 -60 Boote am Start und es sieht gut aus, wenn die Yachten ihre bunten Spinnacker und Blister setzen.

 

So werden Erinnerungen wach, an das Jollensegeln von früher.

 

 

 

 

 

TAPUAMU 16°37´148 S 151°32´561 W

 

 

 

Auch hier gibt es drei Mooringbojen. Ein kleiner Minihafen mit Tankstelle und Magasin. Nicht sehr viel aber sehr gut geschützt gegen östliche Winde.

 

Während wir an einer der drei Mooringbojen übernachten wird neben uns an Land für das grosse Tahitianische HEIFA-FEST geübt. Es wird getanzt und getrommelt was das Zeug hält. Und durch die steilen Berge auf der gegenüberliegenden Seite schallt alles nocheinmal mit zwei Sekunden Verzögerung zu uns zurück.

 

Da sind wir gespannt auf das gröste aller Feste...

 

 

 

 

Vanilleanbau auf der Ile de Vanille, TAHAA´

 

 

CORAL GARDEN“                          16°36´246 S   151°33´483 W

 

 

Das Wetter scheint sich zu beruhigen. Seit fünf Tagen hat es nicht mehr geregnet. Wir wollen es nicht beschreien sondern gehen baden:

 

Auf der Westseite von Tahaa ankern wir wieder am Aussenriff, vor dem Luxushotel Le Tahaá. Neben der Hotelinsel gibt es noch mehrere kleinere Motus. Zwischen zweien dieser Inselchen hat sich durch die ständige Strömung eine wunderschöne Unterwasserwelt entwickelt, durch die man sich mit dem Strom treiben lassen kann, wenn man die Insel entlang wandert und erst am Ende ins Wasser geht. Eine „eierige“ Wanderung, barfuss auf den spitzen Korallen...

 

Im Wasser sind wir total von den Socken, denn es wimmelt nur so von kleineren, bunten Fischen. Neugiertig sind sie. Man schwimmt regelrecht in einem Schwarm von Fischen und lässt sich mit der Strömung zwischen den inseln durch ein Labyrinth von Korallen treiben. Diese wachsen zum Teil bis unter die Wasseroberfläche, so dass es manchmal zu flach wird um weiter zu kommen.

 

Es wachsen hier die unterschiedlichsten Korallen dicht beieinader, in den verschiedensten Farben, die bei Sonnenlicht besonders intensiv leuchten.

 

Zwischen den Motus stehen sie gut geschützt, so dass Stürme sie nicht beschädigen können. Wir beobachten wie eine Annemone einen Fisch verspeist in dem sie diesen mit ihren 1000 Armen festhält und sich dann über den Fisch stülpt bis dieser aufgelöst und verdaut ist.

 

Da Touristenboote erst gegen 10:00 eintreffen, erleben wir diesen Coral Garden ganz für uns alleine.

 

Wir veranstalten dies gleich drei Mal, so gut gefällt uns das Schnorcheln hier. Und wir nehmen am nächsten Tag etwas Brot mit, in einer kleinen Plastiktüte. Nun sind die Fischlein noch zahlreicher und sogar richtig anhänglich, da hungrig.

 

Wir sind schier überwältigt.

 

 

 

Nebenan steht das Luxushotel Le Tahaá mit Bungalows auf Stelzen über dem Wasser. Es liegt auf der grössten der Inselchen, traumhaft schön in einem tropischen Garten. Der Baustiel der Gebäude passt prima zwischen die zahlreichen Pflanzen. Dächer sind mit Palmenblättern eingedeckt und die Beleuchtung unauffällig in Baumstämme integriert. Es gibt Tenniscourt, Wellnessbereich, Kraftraum und Poolbar, an der sich für die wenigen Gäste der Tag abspielt. Wunderschön gelegen und bestens gepflegt, normal für ein Haus mit fünf Sternen...

 

Wir umwandern diese Insel und bekommen so auch die Rückseite zu sehen,

 

wo erstaunlicherweise noch mehrere Familien und Fischer leben. Überall lodern auch tagsüber kleinere, qualmende Feuer gegen die vielen Stechmücken, die offenbar im braunen Brackwasser inmitten der Insel eine Brutstätte finden.

 

Am Ende der Insel befindet sich der „International Airport“, eine Stelle zwischen den schwarzen Korallen, an der der ein Helikopter landen kann. Eine etwa 600m lange unbefestigte Palmenallee schlängelt sich von hier direkt bis zur Rezeption.

 

 

 

 

 

Nachmittags geht bei uns über Funk ein DSC ein. ( Digital Selectiv Call ) Es ist die PITUFA, eine Yacht aus Österreich. Birgit und Christian hatten wir auf den Kanaren kennen gelernt und in der Karibik öfter wieder getroffen. Jetzt sehen sie das AIS-Signal der BONAFIDE auf dem PC – und rufen uns.

 

Wir verabreden ein Treffen, tauschen viele Informationen, erzählen Karibikgeschichten, tauschen Bücher und Filme und haben einen langen, gemütlichen Abend zusammen.

 

Die beiden haben Angst erwischt zu werden, denn sie sind zwar ausklariert aber mittlerweile über die Dreijahresfrist, in der man Französisch Polynesien wieder verlassen muss, ohne dass für das Boot die achtprozentige Steuer anfällt.

 

Sie hatten den richtigen Riecher: Als sie am nächsten Morgen Richtung Tonga aufbrechen, erfolgt gegen Mittag bei uns eine Kontrolle der Zollbehörden.....

 

 

 

 

 

 

PATIO                      16°34´825 S    151°29´737 W

 

 

 

Nur vier Seemeilen weiter liegt der Hauptort und Verwaltungssitz der Insel Tahaa. Es gibt drei Mooringbojen vor dem Hafen. Das kleine Örtchen Patio bietet neben der auffallend anders gebauten Kirche, einen richtigen, kleinen Hafen, eine Post und ein Magasin bzw. einen kleineren chinesich geführten Supermarkt der jedoch sehr gut sortiert ist.

 

Die Tiefkühltheke ist riesig und es gibt für die etwa 900 Einwohner alles, was in Dosen oder trocken, für längere Zeit haltbar ist.

 

Wir bekommen sogar frische Karrotten, Porree, Brokkoli – und herrlich frisches, knuspriges Baguette. Da kann man kaum warten bis an Bord....

 

Nur Eier sind hier nicht zu bekommen. Auf Tahaa gäbe es keine Hühner, erfahren wir. Nur warum weiss man nicht.

 

 

 

 

 

 

Gefahrlos Ankern, Ostseite Tahaa    016°38´330 S   151°25´489 W

 

-Anlaufen auch bei Nacht ohne Risiko möglich-

 

Ein paar Tage später liegen wir wieder an der Stelle, wo wir anfangs schon einmal gelegen hatten. Hier steigt der Seegrund gleichmässig an und man kann gefahrlos auf den sandigen Schelfsockel auffahren ohne die Gefahr des Auflaufens auf einen Boomie, bis zu 5m grosse Korallenköpfe, die auch tiefer im Wasser eine echte Gefahr für Boote darstellen, wenn man sie aufgrund schlechten Lichtes nicht erkennen kann.

 

Ein paar Mal hatten wir versucht auf der Nordostseite auf den Schelfsockel zu gelangen. Zu gefährlich bei 20kn Wind und welliger Wasseroberfläche. Man sieht die Boomies auch bei Tageslicht nicht... leider.

 

 

 

Interessant was für Zufälle es gibt:

 

Um an den Ankerplatz vor Utoroa zu gelangen, muss man auch hier auf den Schelfsockel fahren. Man passiert einen Durchgang im Innenriff, eine Engstelle mit etwa 3,5m Wassertiefe. Diese ist jedoch nur etwa 12m breit – es muss also 100%ig passen.

 

Durchgang bei   16°41´00 S   151°26´816 W

 

 

 

Wir hatten diese Stelle bei ruhigem, sonnigen Wetter ausgesucht und durchfahren und mit Seekartenplotter und PC mitgeplottet. Langsamer als 1,0kn und ganz ohne Wind.

 

Als wir gestern mit 15kn achterlichem Wind wieder kurz vor dem Engpass stehen, fällt plötzlich der Seekartenplotter am Steuerstand aus.

 

Es ist bewölkt und die Boomies sind wegen welliger Wasseroberfläche nicht erkennbar....

 

Gottseidank läuft im Salon der PC mit, an dem wir schon vorher eine gute Vergrösserung der Engstelle eingestellt hatten und wir nun genau sehen können ob wir wirklich exakt auf unserem alten Track entlangfahren.

 

Es passt knapp, aber es passt. Mit Schleichfahrt...

 

Glück gehabt, denn links und rechts kan man die Korallenköpfe fast anfassen.

 

 

 

 

 

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Auf einer Perlenfarm haben wir uns mit zwei Polynesiern verabredet. Wir wollen Rum gegen Perlen tauschen. In Guatemala hatten wir vergangenes Jahr mehrere Flaschen guten Rum gebunkert. Jetzt kommt dieser zum Einsatz. Stundenlang suchen wir uns die schönsten Perlen aus, aus einem Schälchen mit der passenden Kategorie von Perlen. Unglaublich teuer sind perfekte, runde Perlen. Getestet wird das Drehverhalten auf einer Glasplatte....

 

Uns reichen die zweitklassigen, deren Unwucht mit blossem Auge nicht erkennbar ist. Und kleine Fehler ?  Perlen sind ein Naturprodukt und nur eine einzige von mehr als 10000 Perlen ist wirklich perfekt.

 

So gibt es beinah bei jeder Perle einen kleinen Schönheitsfehler, eine Stelle, an der man später das Loch bohrt....

 

Zwei Stunden später haben vier Tahitiperlen und zwei Flaschen Rum die Besitzer gewechselt und alle sind zufrieden. Quit pro Quo !

 

 

 

 

 

Wir verlassen die Lagune von Tahaa und Raiatea und machen uns auf den Weg nach Borabora. Seit Wochen sehen wir diese Insel in der Ferne und wollen unbedingt dorthin. Heute endlich ist es soweit.

 

Wir hatten das Grosssegel schon an der Mooring hochgezogen und glaubten, wir hätten ausserhalb der Inselabdeckung ausreichend Wind....

 

Leider nein. Pustekuchen. Nur 3-5kn..... also fast nichts....

 

Von einer Delfinschule werden wir zum Pass geleitet.

 

Dazu passt das Kaiserwetter und eine sehr ruhige, gnädige See.

 

Es wird gedieselt, gleichzeitig noch 25ltr Trinkwasser entsalzen und die Kühlschränke richtig runtergeküht... Energie im Überfluss.

 

 

 

 

 

 

BORABORA            16°30´80S  151°46´29 W

 

Schönste Insel der Welt ?

 

 

Nach fünf Stunden brummen wir ganz gemütlich durch den Pass Teavanui von Borabora und gehen zuerst einmal an eine Mooring des Maikai Hotels in Vaitape, um im Supermarkt noch frisches Brot zu bekommen.....

Wir finden hier u.A.frisch gebackenes, knuspriges Olivenbrot,

welches aber nicht gänzlich bis zur Kasse gelangt - es ist einfach zu lecker.

 

Etwas später ankern wir hinter dem Motu Toopua auf der Westseite des Atolls. Es ist hier so unglaublich ruhig, man hört noch nicht einmal die Brandung des Aussenriffes, da dieses wirklich weit entfernt ist.

Das Wasser ist Ententeich-ruhig und wir schlafen herrlich....

  

Am nächsten Tag versuchen wir wieder einmal ein funktionioerendes Internet zu bekommen. Auf dem Dinghisteg des Maikai Hotels sitzt Suzie aus Bangkog und verrät uns das aktuelle, gültige Passwort.

 

Schnell sind wir mit dem Ipad im Netz. Leider ist es wie so oft: Das Öffnen einer Seite dauert fünf Minuten. Emails abrufen leider unmöglich.....

 

Frustriert fahren wir wieder zu unserem Ankerplatz zurück und gehen baden, schwimmen und schnorcheln. Dann eben nicht....

 

Als gegen Abend der Wind aufbriest und der französische Wetterbericht von einer grossen Depression spricht, verlegen wir uns erneut vor das Maikai Hotel, was gegen Nordwind guten Schutz bietet.

 

Man erwarte mehr als 30kn Wind erzählen unsere Bootsnachbarn...

 

Es gibt einen richtigen Run. Aus mehreren Richtungen laufen Schiffe mit hoher Geschwindigkeit auf diese Mooringtonnen zu und suchen dort Schutz.

 

 

 

Während der Nacht messen wir 28kn aus Nord, später westlich und gegen Morgen sogar aus Süden. Das System wandert, der Wind dreht. Es steht eine 1,5m Dünung durch den Pass in die Lagune und wir verlegen uns erneut, diesmal auf die Ostseite. Als der Wind weiter aufbriest und die Sicht durch Regen auf nur noch zwei Bootslängen reduziert wird, stoppen wir auf halber Strecke und ankern.

 

Zwischen zwei Hotelanlagen lassen wir unseren Anker fallen, ins märchenhafte, türkisblaue Wasser der Borabora-Lagune, auch bei Schietwetter schön, wir warten und wettern erst einmal ab.

 

 

 

Wir treffen Peter und Margarete auf der SEATIME wieder, nach über einem Jahr. Sie ankern gleich neben uns. Ein herzliches Wiedersehen, Gespräche in Deutsch, ein schönes Gefühl nach so langer Zeit. Zusammen wollen wir eine der Hotelanlagen besuchen, die gleich neben unserem Ankerplatz dutzende Wasserbungalows in der Lagune stehen hat. Es ist das St.Regis Bora Bora, „Paradise perfected“... Man lässt uns nicht hinein, erwartungsgemäss, aus Sicherheitsgründen.

 

Aber wir bekommen die Prospektmappe, geduckt auf Hochglanzkarton

mit Preisliste. Jetzt erklärt sich, warum sie keinen „hergelaufenen“ Dinghifahrern das Hotel zeigen:

Die Preise beginnen bei 151.000,- XPF und enden bei sagenhaften 1.700.000,- XPF ( Polynesischen Franc)

 

Wir rechnen mehrmals, jedoch immer wieder mit gleichem Ergebnis:

12.684,- bis 142.695,- EURO. Per Bungalow pro Nacht, jedoch noch ohne MwSt. und ohne Mahlzeiten.....

 

Die Preise variieren nach Grösse, Ausstattung und Aussicht.

Das Frühstück ist für zwei Personen inclusive...  selbstverständlich.

 

Wir fahren mit den Dinghis durch die Anlage und gehen erst wieder auf einem der Motus an Land. Hier leben ein paar der 6000 Bewohner Boraboras, etwas ärmlich aber in schöner Natur mit einer tollen Kulisse im Hintergrund. Sie leben von der Herstellung von Copra, getrocknetem Cocos und machen einen freundlich-zufriedenen Eindruck. Trinkwasser bekommen sie aus kleinen Brunnen. Strom kommt aus tragbaren Minigeneratoren.... Was braucht man mehr ?

 

Sie machen einen ausgeglichen - freundlichen Eindruck, freuen sich über Besuch und erklären uns das Zerlegen der Nüsse...

 

Es geht weiter, in der Lagune bis ans Ende auf der Ostseite. Eine Bucht bietet fantastischen Schutz gegen den böigen Ostwind. Der Anker liegt in sauberem Sand ohne Boomies an denen die Kette reiben könnte. Hier stehen keine Hotels und es gibt keine Touristenboote. Wirklich einsam ist es dennoch nicht denn auch die Locals haben Motorboote.

Wir wandern den Strand entlang, 2km nach rechts, 3km nach links. Häuser, nein Hütten werden von freundlichen Hunden bewacht.

Palmen wachsen über das türkisblaue Wasser.

Wie auf Postkarten.

 

Mit dem Dinghi fahren wir zum Aussenriff. Der Schnorcheltripp wird zur Attraktion als zu unserer Überraschung mehr als 30 Schwarzspitzenhaie um uns herum ihre Runden drehen... Gut, dass wir nicht auf ihrer Speisekarte stehen, also springen wir ins Wasser.

 

Der in der Karte verzeichnete Schnorchelspot „Aquarium“ ist eher etwas für Hoteltouristen.

Ausflugsboote machen an Moorings fest. Touristen treten mit Badeschuhen auf den absterbenden Korallenköpfen grosser Boomies herum und eine grosse, grüne Muräne wird zu festen Zeiten vor aufgeregt, kreischenden Leuten gefüttert....

 

 

 

Das Wetter wird zusehends besser. Für Dienstag ist nur noch 1,5m Welle vorhergesagt. Ein Wetterfenster öffnet sich um Maupiti zu besuchen. Den Pass zu der nur 30sm entfernten Nachbarinsel kann man nur bei sehr ruhiger See anlaufen. Der Mond steht genau richtig, um 12:00 mittags ist Hochwasser und somit Slacktime. Bis dann sollten wir eingelaufen sein.....

 

Wir vergleichen mehrere Prognosen und als wir eine Chance sehen, machen wir uns fertig um gegen 06:00 am nächsten Morgen Borabora zu verlassen. Um 05:00 geht der Wecker....

 

 

 

Auf BORABORA....

 

 

 

MAUPITI   /   PITIAHE                         16°28´400 S 152°15´289 W

 

 

 

Ein kleines Atoll dass in den meisten Reiseführern und Guides keine Beachtung findet, da touristisch nicht erschlossen.

 

Pünktlich um 06:00 ging es auf Borabora los und pünktlich zum 12:00-Hochwasserzeitpunkt stehen wir in Maupiti vor dem Pass, der idyllisch von zwei kleinen Motus begrenzt wird.

 

Die vorhergesagte Wellenhöhe sollte bei 1,10m liegen. Tatsächlich haben die Brecher etwa 3,0m. So kann man sich täuschen. Lange hatten wir diskutiert ob wir dennoch einfahren sollen – es gibt viele Warnhinweise, man solle nur bis bis 1,50m Welle den Pass befahren... Die Strömung könne bis zu 9kn betragen...

 

Jetzt wissen wir warum: Im Pass läuft das Wasser der Brandung von den Seiten der Einfahrt schäumend wieder nach aussen. Böse Strudel, Gegenströmung mit etwa 6kn ( bei Slack !! )

 

sowie Orientierungsschwierigkeiten da der Pass kurvig verläuft und gepeilt werden muss. Auch die Sicht ins Wasser ist wegen der Brandung sehr schlecht. Beide Motoren laufen Vollgas.

 

Ist man durch die Brandungszone hindurch hat man nur noch 2kn gegenan, bis sich die Lagune öffnet. Es ist präziese mit Baken und Peilmarken betonnt aber diese stehen nicht an der Kante sondern auf dem Riff im Trocknen.

 

Die Lagune hat tiefblaues Wasser und ist um die 10m tief. In sicherer Tiefe sieht man überall grosse Boomies, Korallenköpfe in denen sich die Ankerkette schnell vertörnen würde. Wir entscheiden uns wieder für den feinen Sand auf dem Schelfsockel. Für flachgehende Catamarane wie gemacht: 1,50m Wassertiefe, türkisblaue Farbe - die Sonne lacht.

 

 

 

Wir springen grinsend über Bord.... Willkommen im Paradies !

 

 

 

Keine Motorboote, keine Shops, keine Hotels, keine Jetskis und auch keine Touristen. Dafür viel Sand, Muscheln, Rochen,

viel Natur und unglaublich viel Ruhe.

 

Wir sind alleine.

 

 

 

Derzeit hat es auch nachts kaum Wolken, so dass durch das Mondlicht der Seegrund erleuchtet wird. Stehen an Deck und geniessen die Stimmung bei absoluter Stille. Ganz leise hört man in der Ferne das Rauschen der Brandung am Aussenriff.

 

Und oben, milliarden kleiner, funkelnder Sterne, ein Himmel wie wir ihn schon lange nicht mehr gesehen haben.

 

 

 

 

 

 

 

Fernab von allem....  Vor Anker in der einsamen Lagune von Maupiti  06/2016
Fernab von allem.... Vor Anker in der einsamen Lagune von Maupiti 06/2016

 

Mit Dinghi und Tauchausrüstung fahren wir morgens zur Mitte der Lagune, setzen uns auf dort den Grund in 8m Tiefe. Die Sicht ist schlecht, maximal 5 Meter. Wir warten nicht lange als plötzlich mehrere grosse Mantarochen um uns herum kreisen und „frühstücken“. Diese bis zu sechs Meter grossen Rochen sind ungefährlich. Sie ernähren sich von Plankton und Krill, was in dem trüben Wasser offenbar reichlich vorhanden ist.

 

Wir kommen bis auf 1 – 2 Meter an die Tiere heran, die sich ganz langsam, majestätisch im Zeitlupentempo bewegen. Mit Hilfe zweier Schaufeln lenken sie beim Schwimmen das Wasser in ihr riesiges Maul und filtern mit den Kiemen die Nahrung heraus. Sie lassen sich durch uns nicht stören, schweben lautlos vorbei.

 

Nach ein paar Kreisen ist ihre Neugier befriedigt und sie verschwinden im trüben Dunkelblau so schnell wie sie gekommen waren.

 

 

 

Das Inselchen Motu Pitiahe ist unbewohnt. Muscheln und Korallenstücke am Strand und überall. Palmen, Manchinillebäume, Einsiedlerkrebse in allen Grössen, ein paar Seevögel und das glasklare, türkisblaue Wasser.

 

Es ist paradiesisch schön !

 

Abends sichten wir die Fotos und sind begeistert.

 

 

 

 

 

 

Pauma, der Hauptort auf der Insel Maupiti erstreckt sich über etwa 2km um den gut 380m hohen Nuupure. Der Ort wurde erst im Dezember 1997 durch den Cyclon Osea vollständig zerstört und macht mit seinen rund 1000 Einwohnern einen zufriedenen, verschlafenen Eindruck.

 

Man grüsst recht freundlich, von überall ruft es mit freundlichem Singsang zu uns herüber:

 

Ia orana„ (sprich Ja-darna = Hallo..)

 

 

 

Man findet ganze fünf Magasins, kleine, jedoch oft gut bestückte Polynesische Minimärkte. Wir bekommen sogar Eier, selten auf diesen Inseln, sogar aus heimischer Produktion.

 

Obst und Gemüse bekommt man von kleinen, privaten Ständen an der Strasse, Backwaren an der Inseltankstelle im Hafen. ( Brot wird nur bei Vorbestellung gebacken )

 

Alles Andere kommt mit dem Versorgungsschiff TahitiNui. Es kommt alle vier Wochen, jedoch nur dann, wenn das Wetter passt und die Einfahrt passiert werden kann...

 

Hier lebt es sich sehr entspannt und natürlich.

 

Auf Maupiti gab es schon immer eine chronische Wasserknappheit, lesen wir.

 

Regengüsse gibt es nur selten. Wasser bekommt man heute alle paar hundert Meter aus Zapfstellen, an denen früher mit einer Codenummer bezahlt wurde. Heute wird anders abgerechnet, die Codeterminals sind alle defekt.

 

Viele Locals fahren gerne Auto. Auch für Strecken von 50 Metern wird das Auto genutzt. Die Kinder werden mit einem Schulbus abgeholt und auch wieder heim gebracht, ganz nach Französischem Vorbild.

Auf dem Dorfplatz baut man fleissig die 10 Hütten auf. Schon am 24.06. eröffnen dort die Stände, Bars, Imbisbuden und Souveniershops für die Ende Juni beginnende Heifa.

 

Locals bezahlen häufig mit V-Schecks, sehen wir, es gibt auf Maupiti keine Bank. Ein Krankenhaus ebensowenig, dafür aber eine gut ausgebildete Krankenschwester...

 

 

 

Um zu Fischen und zum Motorbootfahren braucht man hier seit kurzem eine Erlaubnis, ähnlich wie in Europa der Führerschein. Diesen kann man entzogen bekommen, wenn man einen Diebstahl begeht. Ein erneuter Versuch der Inselpräfektur, die Diebstahlquote in den Griff zu bekommen, hören wir.

 

Die alltägliche Kleinkriminalität, in ganz Französisch Polynesien offenbar ein Riesenproblem. Hier ein Fahrrad, dort ein Aussenborder oder ein Dinghi – mal eben... Klagen hört man vielerorts, auch von Locals.

 

Wer lebt hier also gerne ohne Boot fahren zu dürfen, oder fischen ?

 

So hoffen alle, es möge funktionieren.

 

 

 

Mittwoch laufen Erwin und Jrmina mit ihrer RED HARLEKIN in die Lagune ein. Mit ihnen Tauchen wir und unternehmen Wanderungen durch die steile, schroffe, wenn auch begrenzte Bergwelt. Der Nuupure ist 380m hoch...

 

 

 

Früh morgens fahren wir mit den Dinghis zum Hafen. Gegenüber der Mairie ( Inselverwaltung ) geht ein kleiner Weg den Berg hoch. Dies ist der Einstieg zu einem Pfad, der bis hinauf auf einen der Gipfel läuft. Schwierige, beinah senkrechte Kletterpassagen sind mit dicken Seilen versehen, an denen man sich beim Klettern hochziehen kann. Der Weg verläuft durch dichten Dschungel, ist aber so ausgetreten, dass man immer sieht wo es weiter geht. Nach 90 Minuten stehen wir auf dem Gipfel und staunen. Unter uns liegt die Lagune mit ihrem blauen Wasser in allen Farbtönen. Fotosession auf dem Gipfel. Können uns kaum satt sehen.

 

 

 

Der Abstieg ist einfacher jedoch wesentlich gefährlicher. Da man von oben schaut, ist der Tritt nicht immer wirklich sicher und Steine geben nach. Gut, wenn man sich an den schweren Seilen festhalten kann....

 

Unten angekommen begeben wir uns zur Belohnung ins Inselrestaurant, das nur zur Mittagszeit für ein paar Stunden geöffnet hat.

 

Poison Crux Tahitiene au Coco sowie Crevettes au Curry au Riz stehen auf der Karte. Beide Gerichte sind ein Gedicht. Entsprechend voll ist der Laden. So sitzen wir als einzige Weissnasen inmitten der Polynesier und unterhalten uns prächtig. Bedient werden wir von einer ausgesprochen zierlichen, hübschen Polynesierin. Erst später bemerken wir: Es ist einer dieser Männer, die bereits als Kind wie ein Mädchen erzogen wurden und nun eine Junge Frau verkörpern.

 

Ganz normal in der polynesischen Kultur.

 

 

 

Zurück an Bord merken wir wie kaputt wir sind. Erschöpft liegen wir unter dem Sonnenschutz im Netz und geniessen das Plätschern und Schaukeln.

 

 

 

 

 

 

Ein paar Tage später verlegen wir uns hinter das Motu Tuan.

 

( 16°26´60 S 152°14´35 W )

 

 

 

Ganz langsam, es geht sehr nah an vielen Boomies an der Wasseroberfläche vorbei. Dieser Teil der Insel ist in der Karte gleichmässig grau, also nicht vermessen. Gelegentlich sind Boomies mit Stöcken markiert.

 

Obwohl das Wasser stark eingetrübt ist liegt man bei stärkeren, östlichen Winden absolut geschützt und ruhig über korallenstockfreiem Sand. Das ist auch gut so, denn die Vorausschau auf das Wetter sagt 25kn mit Gusts / Böen um die 40kn...

 

Das Boot liegt sicher vor Anker und wir umwandern die Hauptinsel. Eine nasse Tour denn beim Fahren mit dem Dinghi kommt durch den Wind reichlich Wasser über. Es gibt einen schönen Strand auf der gegenüberliegenden Seite. Hier treffen sich ein paar junge Leute mit einer Kiste Bier. Die Inseljugend chilt bei Polynesischem Reggae... Mit reichlich Obst kommen wir zurück an Bord. Im Rucksack finden sich grosse Pampelmusen, Brotfrucht und Zitronen, massig Vitamine und gut für viele Liter leckere Bonalimonade.

 

 

 

 

 

Ein wenig ist diese Insel wie eine Mausefalle. Nur bei absolut ruhigem Wetter und Seegang ist der Pass befahrbar.

 

Für die kommenden Tage ist wieder weniger Wind angesagt so dass wir Maupiti verlassen können, sobald sich die See beruhigt hat. Wir müssen zurück, denn unsere Bargeldreserven sind beinah aufgebraucht. Es gibt auf Maupiti keine Möglichkeit Bargeld zu bekommen wenn das Versorgungsschiff nicht vor Ort ist. Schade !! Maupiti ist für uns die bislang schönste Insel in Französisch Polynesien, nicht zuletzt wegen der Freundlichen Menschen, der Natürlichkeit dieser Insel, des kaum vorhandenen Tourismus und des schier glasklaren Wassers.

 

Frühmorgens um 6:30 spuckt uns der Pass wieder aus, in die grösste Wasserwüste der Erde.

 

Von der Red Harlekin winken Erwin und Jrmina. Tschüss ihr zwei !! Vielleicht treffen wir uns woanders wieder. Für sie geht es nach Borabora, weil sie von dort jeder Zeit auslaufen können, Richtung Fiji.

Gute Reise euch beiden !

 

 

Blick aus 380m vom Nuupure auf den Pass zwischen den beiden Motus. Rechts vor dem Hellblau die Bonafide.
Blick aus 380m vom Nuupure auf den Pass zwischen den beiden Motus. Rechts vor dem Hellblau die Bonafide.

 

Meistens passiert es im Dunkel der Nacht.....

 

Aus Tahiti kommend wollte die dreiköpfige Mannschaft der Segelyacht xxxxx einfach nur noch schlafen. Statt auf das Tageslicht zu warten fuhr man übermüdet im Dunkeln in den Pass. Sie bemerkten nicht, dass sich ihre Position nicht in der Mitte der Riffdurchfahrt befand. Bei einer Dünungshöhe von mehr als 4m geriet das Boot in die Sogzone und dann schnell auf das Riff. So stand die Yacht am Morgen des 30.06.2016 aufrecht und hoch auf den Korallen neben der Riffpassage ein paar Meter hinter der Brandung.

 

Glück im Unglück, die Crew konnte unverletzt abgeborgen werden.

 

Im vergangenen Jahr sass der Skipper mit genau diesem Boot eine Woche lang, in Vanuatu auf einem Riff. Eine Sonate Ovni 41, aus 5mm dickem Aluminium mit Schwenkkiel und flachem Unterwasserschiff - wie gemacht fürs Auflaufen. Ein Boot aus Kunststoff hätte wohl keine Chance gehabt meint Dominique, Chef der Carenage der die Bergung leitet.

Dennoch leck und schwer beschädigt.

 

Im April 2016 Apataki, im Mai Toau und Maupiti, im Juni Kauehi, Huahine und nun hier in Raiatea. Er habe alle Hände voll zu tun, meint Dominique, es passiere immer nachts, morgen fliege er nach Papeete....

 

Er arbeite hier oft und gerne mit dem Skipper der Maupitifähre zusammen, die für die Bergung den Fahrplan ändert.

 

Es sind 14 Personen beteiligt. Auf dem Havaristen stehend gibt Dominique die Komandos, wann die Fähre die 12cm dicken Bergetrossen anziehen soll.

 

Immer etwa 5 Sekunden vor einer besonders grossen Welle. So ist dann der erforderliche Zug auf den Trossen, wenn die Welle den Havaristen kurz entlastet oder sogar anhebt. Nach 8 Zügen schwimmt das Boot wieder in tiefem Wasser, wenn auch leck und stark beschädigt.

 

Jubelschreie, Pfeifen und Rufe, alle freuen sich und klatschen laut. „Good Job !!“

 

Innerhalb von weiteren 30 Minuten hängt das Boot im vorbereiteten Kran der Carenage und ist in Sicherheit.

 

Alle arbeiten Hand in Hand, Bergung Nummer 125, die Jungs wissen was zu tun ist.

 

 

 

 

 

 

Neben uns ankert eine Outremer 45, ein grösserer Fahrtencatamaran. Seit Wochen sieht man kein Lebenszeichen, er ist offenbar nicht bewohnt.

 

Zuerst wundern wir uns, da dieser mal näher, dann mal wieder sehr weit von uns entfernt liegt. Beim Schnorcheln entdecken wir dann, dass sein Anker nicht eingegraben ist und er diesen je nach Wind und Strömung hinter sich herzieht. Wir versuchen den Anker einzugraben, aber beim nächsten Zug liegt dieser erneut auf der Seite und slippt hinter dem Boot her, auf den Bildern gut sichtbar. Erst wollen wir an Bord gehen und einen zweiten Anker suchen – entscheiden uns aber in Gesprächen mit anderen Seglern dagegen, um nicht mit dem Problem in Verbindung gebracht zu werden...

 

So ist es warscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis dieser Catamaran auf einem der vielen Riffe in der näheren Umgebung endet.

 

Verstärkter Ankerschaft - der Anker ist Schaftlastig, gräbt sich nicht ein.
Verstärkter Ankerschaft - der Anker ist Schaftlastig, gräbt sich nicht ein.

 

 

 

Wir wollen nocheinmal nach Huahine. 22sm gegenan sollten kein Problem werden. Es sind moderate 10kn Wind vorhergesagt, so dass wir segeln könnten. Da wir in Lee von Raiatea ankern bekommen wir von dem Wind kaum etwas mit. Beim Ankeraufgehen ziehen wir eine alte, schwere Ankerkette hoch, die im Sand vergraben war. Beim Klarieren bricht der Bootshaken ab....

 

Vorzeichen für einen merkwürdigen Törn.

 

Als wir etwas später die Abdeckung verlassen und im Norden um die Ecke motoren windet es mit 22kn. Warscheinlich der Kapeffekt ?

 

Als wir den Pass passiert haben und in freien Wasser sind hat es 25kn, in Böen um die 32kn. Bei rund 4,0m Welle. Na Prima.

 

Im 2.Reff segeln wir hoch am Wind und können unseren Kurs knapp anliegen. Dreieinhalb Stunden später, kurz vor der Passdurchfahrt in Huahine bemerken wir, dass unser Steuerbordmotor Probleme macht. Er springt nicht mehr an.... Beigedreht, noch auf See wechselt Andi den Dieselfilter und entlüftet das Dieselsystem, ohne Erfolg.

 

Mit nur einem Motor bei dieser 4-Meter Welle und Gegenwind durch einen engen Pass ? Was ist, wenn der zweite Motor aussetzt ?

 

Wir wenden und segeln zurück nach Raiatea, dort können wir mit Rückenwind durch den Pass segeln denn wir haben ja unseren Track, auf dem wir schon zweimal gefahren sind. Auf halbem Weg bricht zu allem Überfluss die Dirk und der Grossbaum fällt auf das Bimini.

 

Acht Stunden später ankern wir wieder in Lee von Raiatea.

Leider war eine Vorpiekluke nicht richtig verriegelt, so dass unsere

Tauchkammer und die Vorderkabine ordentlich Salzwasser abbekommen haben. Also alles mit ausräumen, Matratzen abziehen alles zusammen mit reichlich Süsswasser spülen und in der Sonne trocknen, Arbeit für die nächsten Tage.

 

Der Motor will partout nicht wieder starten, trotz erneutem Dieselfilterwechsel, Entlüften und Krümmerreinigung. Es geht nicht weiter.

 

So könnten es eigentlich nur noch verstopfte Einspritzdüsen sein. Für Dienstag haben wir einen Monteur bestellt der dieses messen kann.

 

 

 

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Freitag beginnt in Uturoa der erste Tanzwettbewerb der hiesigen Heifa. Leider erst gegen 19:00. Wir lassen das Dinghi in der Moolaba Marina und laufen die 5km bis Uturoa. Autostopp funktioniert leider nicht.

 

Der Wettbewerb wird mit langen Reden eröffnet, jeder der etwas zu sagen hat hält vor der Jury eine Rede auf polynesisch, die wir nur ansatzweise verstehen.

 

Das Ganze ist ein Ausscheidungswettbewerb, die beste Gruppe kommt eine Runde weiter und fährt dann auf eine der Nachbarinseln.

 

Die Tribünen um den Sandplatz sind eng besetzt.

 

Die Gruppen von etwa 20 – 30 Personen tanzen zu verschiedenen Themen und erzählen tanzend Geschichten über Inseln, Meer, Tiare ( Blumen ) und Vahine ( Frauen ).

 

Die Akteure tragen prachtvolle Baströcke und kunstvolle Blumenkränze als Kopfschmuck. Man tanzt, springt und singt zu kraftvollem, polynesischem Getrommel. Bis kurz vor Mitternacht.

 

Gegen Ende laufen wir die Strecke zurück und fahren noch 15 Minuten mit dem Dinghi und Scheinwerfer durch pechschwarze Nacht, ohne den Riffen zu nahe zu kommen.

 

 

Heute war plötzlich Leben auf dem driftenden Catamaran neben uns. Ein Paar aus Frankreich war an Bord um nach dem Rechten zu sehen.

 

Danielle und Francoise wohnen seit 20 Jahren in Madagaskar, wenn sie nicht segeln sind, derzeit jedoch in den Bergen von Raiatea in dem Haus von Freunden.

 

Für 4 Wochen, weil diese zur Zeit in Frankreich sind.

 

Als Andi die Lage erklärt glauben sie sofort, dass ihr Anker slippt. Sie wunderten sich auch schon. Der Anker war in Korallen hängen geblieben und verbogen. Deshalb wurde der Ankerkerschaft gerichtet und massiv verstärkt.

Jetzt ist er am Schaft zu schwer und gräbt sich nicht mehr ein.

Zusammen schäkeln sie einen zweiten Anker vor den ersten und bringen

beide neu aus.

Sie freuen sich sehr dass Andi hilft, denn Danielle hat ein offenes Bein und kann nicht gut laufen.

 

Später kommen sie zu uns und laden uns ein, mit ihnen zu essen, in einem festen Gebäude...

 

In Panama gab es auf ihrem Boot, wie bei vielen anderen Yachten auch, einen Blitzschag. ( Yacht Nr.9 mit Blitzschaden aus Panama...)

 

Sie waren an Bord.... Die gesamte Elektronik defekt, Wantendrähte geschmolzen und viele weitere Überraschungen.

Monatelanges Austauschen und Reparieren. Sie sind noch immer nicht ganz fertig mit Reparieren, weil man hier nicht alles bekommt.

 

Von Galapagos bis in die Marquesas brauchten sie jedoch nur 12 Tage, erzählen sie. Ein Durchschnitt von 12,5kn.

 

Jetzt geniessen sie ihren Urlub in einem offenen Holzhaus in den bewaldeten Bergen, zusammen mit den 6 Katzen der Eigentümer. Mitten in einem Wald, in dem Pampelmusen wachsen, Papajas, Limonen, Paprika, rote und gelbe Maracujas, Pfefferminze, Sternfrüchte und vieles mehr.

 

Beladen mit diesen Früchten, selbstgemachten Marmeladen, Salaten und Kräutern bringen sie uns abends wieder zurück zum Dinghi.

 

Viel Glück euch beiden und gute Besserung Danielle !!

 

 

 

 

Schon oft haben wir gehört, dass es schwierig sei, hier in französisch Polynesien ein Ersatzteil zu bekommen. Bekommt man dies, liegt es zum Schluss noch wochenlang im Zoll und man muss zur hiesigen Merwertsteuer noch 24% Otroi de Mer, (eine Zusatzsteuer) bezahlen. Meistens gingen bei uns bislang Sachen kaputt, die gleich als Ersatzteil an Bord waren.

 

Glück im Unglück.

Diesmal ist alles anders:

 

Die Einspritzpumpe, mit Abstand das teuerste Teil an einem Dieselmotor.

Schade, denn in Martinique standen wir vor zwei älteren Volvomotoren gleichen Typs die aus einem verunfallten Catamaran ausgebaut und verschrottet wurden. So Manches hatten wir abgeschraubt.

 

Wir schreiben Mails zu Volvovertretungen in Tahiti, Santiago de Chile und Auckland in Neuseeland. Die Teile sind nicht auf Lager. Und dies nur deshalb, weil sie so teuer sind.

 

 

 

So begeben wir uns erneut in den Motorraum und schaun mal, ob wir die Technik verstehen können......

 

 

 

 

Der 14.Juli ist ein Feiertag in Frankreich. Ebenso in Französisch Polynesien.

 

Ein grösseres Tanzevent ist für diesen Tag im Heivakalender angekündigt.

 

Als wir gegen 09:30 mit den Fahrrädern in Uturoa angekommen sind ist bereits alles zuende.

 

Wir radeln daher weiter bis Le 3 Cascades, etwa 10km südlich von Uturoa, unser „Plan B“.

 

Den Einstieg in den Dschungeltrail finden wir auf anhieb. Die fahrbare Piste endet nach 2km und es geht auf einem Trampelpfad immer höher in den Regenwald. Der Fluss wird überquert, es hat kein Hochwasser. Der Pfad ist lehmig, matschig und man rutscht mehr als man gehen kann. Oft muss man Zweige oder Äste zur Seite drücken um zu sehen wo es weiter geht. Immerhin gibt es Fusspuren, hier eierten vor kurzem noch andere Personen durch den Matsch. Nach eineinhalb Stunden endet der Weg plötzlich im dichten Dschungel.... Zugewachsen ?

 

Wieder unten angekommen treffen wir drei Franzosen die direkt von den Wasserfällen zurückkommen: Wir hätten nicht den Trampelpfad nehmen, sondern im Flussbett weiter nach oben wandern müssen, weitere 1,5 Stunden, im Wasser.

 

Okay, vielleicht beim nächsten Mal.

 

Lust haben wir nicht mehr so richtig, also brechen wir ab und radeln zurück nach Uturoa.

 

Auf dem Heivagelände startet gerade der Ruderwettkampf.

 

Mit Jury und lauter Musik. Jugendliche, Erwachsene Männer und „Mamas“.

 

In offenen Auslegerbooten paddeln die Akteure durch die grosse Lagune, um ein kleines Inselchen und wieder zurück. Etwa 3sm.

 

Schweissgebadet und mit Blumenkränzen und Kopfschmuck verschönert, werden sie von Familie und Freunden beim Zieldurchgang nochmal lautstark angefeuert.

 

 

 

 

Im Motorraum haben wir bereits alle 3 Dieselpumpen überbrückt und festgestellt dass die Feedpump, die Förderpumpe defekt ist.

 

Riesig viel Arbeit, denn es muss jedes Mal das gesamte Kraftstoffsystem entlüftet werden. Die Pumpe ist weit weniger teuer als die Hochdruckeinspritzung aber ebenfalls in Tahiti, Auckland und Santiago de Chile nicht auf Lager.

 

So bestellen wir in Deutschland und lassen sie von Jürgen und Eva mitbringen, die uns im August besuchen kommen.

 

Leider sind die Befestigungsschrauben der Pumpe total abgenudelt, so dass wir fremde Hilfe brauchen um diese zu entfernen....

 

Es gab wohl schon einmal hier ein Problem.

 

Es geht in die Werstatt...

 

Wir verholen an eine Mooring der Carenage, so dass der Monteur nur kurze Wege hat, bis an Land.

 

Dieser benötigt am nächsten Tag ganze 10 Minuten um die Schrauben zu lösen. Mit Hilfe eines kleinen Meissels, den er am Schraubenkopf ansetzt und leicht hämmert so dass die Schraube sich dreht.

 

 

 

 

 

Sundownerzeit auf BORABORA...   Immer wieder etwas besonderes.
Sundownerzeit auf BORABORA... Immer wieder etwas besonderes.

 

 

 

14 Juli 2016

 

Die Heiva läuft nun schon seit 4 Wochen.

 

Abends fahren wir mit den Rädern die 8km bis nach Uturoa. Ein letztes Tanzevent auf dem Heivaterminkalender – der Höhepunkt.

 

Die gesamte Inselbevölkerung hat sich versammelt, alle prachtvoll gekleidet.

 

Es ist übervoll, die Plätze auf den Tribünen sind alle belegt.

 

Hübsch gekleidete gemischte Gruppen tanzen schwungvoll zu kraftvollem Trommeln. Keine technischen Verstärker. Obwohl es die gleichen Akteure sind und sehr ähnliche Stücke wie die Woche zuvor, ist es weitaus proffessioneller.

 

Es kommt uns vor, als hätten sie die Stücke nun perfekt drauf.

 

Auch die Trommler, es gibt lange Passagen in denen nur die Trommeln geschlagen werden.

 

Die festliche Stimmung ist auf auf dem Höhepunkt.

 

Es ist die letzte Vorführung des diesjährigen Heiva-Festivals.

 

 

 

 

 

 

Mit einem Boot sind die Gesellschaftsinseln wirklich am einfachsten zu bereisen. So kommen uns Eva und Jürgen aus Deutschland besuchen.

 

Nicht nur die Berufe der beiden, Elektoingenieur und Psychotherapeutin sind interessant und liefern Gesprächsstoff für viele Abende.

 

Auch bringen sie die dringend benötigten Ersatzteile von Volvo aus Schweden mit an Bord.

 

Zusammen segeln wir von Borabora bis Tahiti - gegen den Wind und immer dann, wenn es eine Winddrehung oder ein sehr ruhiges Wellenbild gibt. Von Insel zu Insel. Absolut unkompliziert, ohne Seekrankheit. Entlang der Ankerspots und Sehenswürdigkeitem die am sehenswertesten sind.

 

Für Montag haben wir einen Termin bei unserem Monteur. Eva und Jürgen terminieren einen Mietwagen für diesen Tag. Erstaunlicherweise hat Montag alles zu. Alles !

 

Auch Werkstatt, Carenage, Autovermieter und Supermärkte. Arbeitsfrei, für alle.

 

Absolut unerwartet, denn keiner hatte es vorher gewusst.

 

In der Carenage treffen wir zwei andere Yachties die ebenfalls auf jemanden warten....

 

Warscheinlich erfahren die Locals hier von den Feiertagen erst in der Nacht unmittelbar vorher.

 

Also alle Termine ganz Polynesisch dann am Dienstag. Schön, wenn man planen kann.

 

 

 

 

 

Drei Wochen später erreichen wir wieder das quirlige Papeete.

 

Hier gibt es einen Crewwechsel: Jürgen und Eva gehen von Bord und Laura, Samuel und Dennis sind ab hier die neue Mannschaft. Zusammen segeln wir erneut die Gesellschaftsinseln herunter, bis Borabora. Diesmal mit dem Wind.

 

Für uns der Höhepunkt der diesjährigen Segelsaison.

 

Die Familie an Bord, eine besonders schöne Zeit, die viel zu schnell zu Ende geht, wenn gleich wir auch mittlerweile alle Inseln gut kennen.

 

 

 

BORABORA, SEPTEMBER 2016
BORABORA, SEPTEMBER 2016

 

 

 

Es ist Ende September und im Oktober beginnt die Hurricanzeit.

 

Für uns bedeutet dies nun möglichst rasch die Gesellschaftsinseln zu verlassen.

 

So motoren wir gleich los, nach Raiatea und nur einen Tag später weiter nach Huahine. Immer genau gegen den Wind, der zur Zeit mit bis zu 22kn bläst.

 

Zusammen mit 8 anderen Booten warten wir hier auf eine Schwachwindperiode um weiter gegenan zu kommen. Der normale Südostpassat mit 15-20kn lässt die See sehr rauh werden, so dass man nicht gut gegenan segeln kann. Der Versatz durch die Strömung führt dann zu Wendewinkeln von 140° - man segelt quasi nach einer Wende fast wieder zum Ausgangsort zurück.

 

Also planen wir drei Motortage und tanken nocheinmal alles voll was Diesel fasst.

Donnerstag oder Freitag 24.09. soll es ein Wetterfenster geben mit

nur 8-10kn.

 

Das Boot ist bereits wieder aufgeräumt, geputzt und auf unsere Abreise vorbereitet.

Huahine entlässt uns wie es uns im April empfangen hatte: Mit viel, viel Regen.

Wir haben hier viel gelesen und unsere bevorstehende Südamerikatour ausgearbeitet. In Tahiti hatten wir diese gebucht. Ganze 12 Flüge.

 

So fliegen wir am 14.10. nach Papeete und am 18,10. erst mal nach Rapa Nui.

Eine grössere Reise, die – so ist es geplant – zu Weihnachten in Ratingen enden soll. Sofern alles gut geht.... Warten wir´s ab.

 

 

 

Mittwoch, 23.09.2016 geht es los, ein Wetterfenster, ein wenig früher als geplant, denn so haben wir die Chance auf Mondlicht zwischen den Atollen. Zumindest in der zweiten Nachthälfte, kurz vor der geplanten Ankunft.

 

 

 

Stiller Ozean ! Haa !! So ein Quatsch !!! Das Wetter hatte gelogen. So einen sollte man mal zwischen die Finger bekommen, so ein Vorhersagemacher. Den sollte man mal mitnehmen zu seinem Wetter !

 

Acht Tage hatten wir gewartet, auf dieses vermeintliche Wetterfenster.

 

Der erste Tag kam schon wesentlich anders:  17kn angesagt, real 22kn.

 

In der ersten Nacht ist es aufgebriest bis zu 23kn. Tags drauf dann 25kn. So dass wir nicht mehr gegenan motoren können. Seegang statt 1,5m nun mehr als drei !! Wir könnten ablaufen, zurück, die ganzen guten 110sm, oder ins 60sm querab liegende Tahiti motorsegeln. Wir entscheiden uns dann auf ein Abdrehen nach Backbord, Richtung Rangiroa. Es ist mit 154sm etwas kürzer als der geplante 300sm-Kurs nach Toau. Und das Grossegel stabilisiert ein wenig, bei diesem Seegang. Mit 3kn quälen wir uns mit Vollgas von Brecher zu Brecher, womit hat man das verdient ? Wenn jetzt blos nichts kaputt geht, hier darf man nicht in Seenot geraten. Und für die Passdurchfahrten braucht es beide Motoren...

 

Da müssen wir nun durch, irgendwie, wir haben ja schliesslich Flüge gebucht.

 

Nachmittags bemerken wir, dass der Wind nachlässt. Die Windsee wird freundlicher. Wir nehmen das Gross runter und motoren wieder dem Wunschziel entgegen.

 

Neben der kleinen Insel Makatea sehen wir nachts zwei Lichter.auf dem Wasser. Fischer ? Hoffentlich liegen hier keine Treibnetze...

 

Das Wetterleuchten ignorieren wir, können bei niedriger Geschwindigkeit eh nicht ausweichen. Es bleibt jedoch beim Wetterleuchten.

 

Tag Nummer drei geht zu Ende. Noch 52sm bis Toau, so dass wir gegen 06:00 vor der Einfahrt stehen könnten. Wenn auch dann noch kein Niedrigwasser ist, wir wollen´s probieren und ansonsten warten.

 

 

 

Zweimal haben wir auf See nachgetankt. Tank wieder voll, klar für die Nacht.

 

Während der letzten Nacht kommt uns auf dem AIS die LADY CHRIS 5, ein grosses Fischereifahrzeug entgegen. Sie seien ein „Longliner“ erklärt der Funker. Auf dem AIS sehen sie uns nicht so richtig und das Radar funktioniere zur Zeit auch nicht.... Aber sie sehen nun unser Mastlicht – und es sei nicht gefährlich hinter ihnen zu passieren, sie fischten derzeit nicht.

 

Na dann mal noch ´ne gute Fahrt und gute Nacht.

 

 

 

Um 01:00 dann die grosse Enttäuschung. Wir stehen kurz vor dem Waypoint in noch „sicherem“ Wasser. Der Mond ist aufgegangen – aber es ist bewölkt. Man erkennt so gut wie nichts. Schade. Also weiter abwarten, bis zum Tageslicht. Zu viele Boote haben sich schon auf den Riffen wiedergefunden... Das GPS könnte fehlerhaft sein. Besser nicht im Dunkel der Nacht.

 

Erst als zwischen den Regenbeeps auf dem Radar eindeutig zwei kleine Inselchen als Referenzorte gepeilt werden können, ändern wir den Kurs und laufen vorsichtig zwischen die Atolle. Wir freuen uns, als es gegen 05:00 dämmert und langsam hell wird.

 

Gegen 07:30 fahren wir ein, in die Bucht von Anse Amyot. Nach 69 Stunden und 320 Litern verheiztem Diesel.

 

 

 

 

 

 

 

 

ATOLL TOAU  /  MOTU MATARINA            15°48´14 S  146°09´14 S

 

 

 

Anse Amyot heist die kleine Bucht, die jedoch keinen Durchgang ins Innere des Atolls zulässt. Es ist ein sogenannter „toter“ Pass, nach innen durch ein Korallenriff nahezu geschlossen. An Land lebt eine polynesische Familie: Vallentine, ihr Mann Gaston und zwei Neffen. Wir hatten gleich zur Begrüssung zwei frische Papageifischfillets geschenkt bekommen.

 

Sie leben vom der Herrstellung von Copra und verkaufen Fisch und Langusten nach Fakarava, ins touristisch gut erschlossene Nachbaratoll. Auch ein kleines „Hotel“ wird betrieben, es kommen jedoch kaum noch Gäste. Ganze 12 bislang in diesem Jahr.

 

Es gibt ein paar Schweine, vier Hunde, ein paar Katzen und auch eine grosse Menge wilder Hühner, deren Population ausser Kontrolle geraten ist.

 

Am Steg lebt ein älteres, unscheues Fregattvogelmännchen, was immer wieder hierher zurückkommt, da es gefüttert wird.

 

So gibt es hier jeden Tag sehr, sehr viel Arbeit erzählen sie.

 

 

 

Auch kann man bei ihnen zum essen einkehren, erzählt Vallentine, nur nicht jetzt, die Saison sei zu Ende und sie haben jetzt Ferien.

Sie leben bereits seit 32 Jahren hier auf Matarina.

 

Frankreich hatte ihnen eine Telefonzelle vor die Tür gestellt, um in Notfällen Hilfe rufen zu können. Sie funktioniert jedoch nicht mehr, genau wie die Lichtbefeuerung zum nächtlichen Einpeilen der engen Einfahrt in die Bucht.

 

Abends sind wir bei ihnen zum Boule eingeladen. Dies gibt es jeden Abend zum ganz normalen Atollalltag.

 

Vor Jahren hatten sie einen Jeep gekauft, um von hier aus in den Hauptort Maragai zu fahren über den Korallenschutt aus dem jedes Atoll besteht.

 

Das Ende des Autos kam, als einer der Reifen einen Platten hatte.

Keine Chance...

 

Der Ort Maragai wurde zwischenzeitlich aufgegeben. Junge Leute wanderten ab, die älteren lebten ab. Heute ein ausgeschlachteter Geisterort.

 

 

So leben sie hier auf diesem Motu von dem, was ihnen Motu und Meer geben können und träumen davon, das Motu zu verlassen und aus der Einsamkeit hier zu flüchten.

Sie werden auch nicht jünger.

 

 

Von dem Papageifisch essen wir zunächst nur ein kleineres Stück. Sollten wir Ciguaterra bekommen wird es nicht so schlimm. Es passiert jedoch nichts, so dass der Rest am Folgetag verspeist wird.... Und jetzt schmeckts besonders gut ! Petra traut sich nicht, denn Papageifische ernähren sich von Algen die auf den Korallen wachsen.

Ihr Fleisch ist weiss, fest und sehr schmackhaft.

 

 

Es gibt ausser dem Hauptmotu noch zwei weitere, besonders kleine Inselchen auf dem Atollrand, die für uns erreichbar sind. Bei der Erkundung waten wir durch 20cm tiefes Wasser. Die Kinderstube von Haien und Muränen. Zwischen unseren Beinen ziehen 20-30cm kleine Haibabys ihre Runden und bemerken uns nicht. Haie sind bereits vor ihrer Geburt echte Killer, fressen sie schon im Mutterleib die Geschwister. Jungmuränen verstecken ihre Köpfe unter Korallenschutt. Hier lebt eine Riesenpopulation grosser, blaugrüner Papageifische. Abends sehen wir, wie grössere Haie diese um unser Boot jagen – und erbeuten. Ihre kräftigen Rückenflossen sind nicht übersehbar.

 

Wir wandern viel auf den kleinen Inseln, sammeln Schneckenhäuser und Muscheln, schnorcheln, schwimmen und tauchen in diesen kristallklaren Wassern.

Eine schöne, stressfreie Zeit.

 

 

Wir sind sehr froh, bereits hier oben in den Atollen angekommen zu sein, denn der Wind hat wieder etwas zugenommen und bläst Tag und Nacht mit 18-25kn.

 

Etwas weiter vor uns ankert die PESTO, eine 54er HalbergRassy aus Brasilien. Annarita und Alex mit ihern 12 + 15 jährigen Kindern Paolo und Uoecal leben seit 2012 auf dem Boot und reisen um die Welt.

 

Im Augenblick ist Verstecken angesagt, genau wie bei uns.

 

 

 

 

Jetzt läuft der Countdown: In 16 Tagen reisen wir ab.

 

Auf dem Boot hat nun die Zeit des „Aufessens“ begonnen. Alles muss weg. Es wird nichts frisches mehr geben, denn es gibt hier eh keine Läden.

 

Baguettes werden aufgeschnitten und getrocknet. Es ist trocken länger haltbar.

 

Das verbliebene, restliche Gemüse gibt es jetzt mit einem von nun an steigenden Anteil an Dosenfutter. Pilzpfanne zum Beispiel, mit vielen Zwiebeln und reichlich Knoblauch auf Spaghetti.... Oder „Duck and Cherrypie, without Duck“ ein australisches Dosenrezept - auch ohne Kirschkuchen nicht schlecht.

 

 

 

Der 30.09. ist auch in diesem Jahr wieder ein besonderer Tag. Auch hier auf Toau. Vielen Dank für die vielen Mails und Glückwünsche an mich, Petra !!

 

Es gibt ein besonders gemütliches Frühstück, ein Geburtstags-Muschelkuchen und einen Schnorchelausflug ins Flachwasser. Das Schnorcheln im Pass gefällt uns so gut, dass wir die Tauchausrüstung holen.

Bei auflaufender Tiede und 25-30m Sicht ( !!! ) tauchen wir im Pass, nur 100m vom Boot entfernt.

 

Wir sehen in etwa 10m Tiefe auch die ganz grossen Barsche und Räuber. Wie in Zeitlupe schwimmen sie langsam umher, als warten sie aufs Abendessen. Wir tauchen durch riesige Schwärme unscheuer Fische , zwischen Haien, Muränen, Napoleonfischen und machen prima Unterwasserfotos in spektakulärer Landschaft. Es ist atemberaubend, wie in einem riesigen Aquarium. Hierher kommen wir bestimmt noch einmal !

 

Abends sitzen wir an Land zusammen mit Vallerie und Gaston und verabschieden uns. Morgen früh wollen wir auslaufen, mit Ziel Apataki.

 

Für die Verwandschschaft Pauline und Alfred von der Carenage bekommen wir noch eine Fuhre frisch gefangenen Thunfisch mit. So tuen wir gleich zwei Seiten etwas gutes.

 

 

 

Samstag früh geht es „Mooring los“...

 

Für die Überfahrt gibt es zwar kein Sonnenwetter aber die See ist gnädig mit nur 1m Welle und wir dürfen sogar segeln. Es bläst mit moderaten 10kn, so dass wir zwischen 4 und 6,5kn laufen und schon um 11:30 vor dem Pass Pakaka in Apataki stehen. Da gerade auflaufende Tiede ist haben wir nur wenig Gegenstrom und laufen gleich am Ort vorbei ins Innere der Lagune. Drei Yachten verstecken sich an der Pier des Ortes, obwohl alles geschlossen hat, es ist Samstag.

 

Laut Vorhersage soll der Wind nachmittags auf Nord drehen, so dass wir vor der Carenage auflandig liegen werden. Hätten wir nicht den frischen Fisch zu überbringen, wir wären umgekehrt und hätten ebenfalls im Ort bis Montag gewartet.

 

So kommen wir vor der Carenage an und ankern bei 7m. Auflandig zwischen den vielen Korallenköpfen, die immer wieder die Kette behindern. Der dritte Versuch wird beim Kontrollieren unter Wasser für ausreichend gut befunden – wir bleiben, bei 15kn und 1m Welle.

 

An Land treffen wir Toni, den Sohn von Pauline und Alfred. Er wird uns Montag früh aus dem Wasser holen, die Wetterprognosen sagen ruhige Winde voraus.

 

Es stehen bislang nur wenige Boote an Land. Die meisten Yachten kommen Mitte Oktober, so dass die Carenage bis auf den letzten Platz ausgebucht ist.

 

Am nächsten Morgen haben wir Windstille und prächtiges Kaiserwetter. Schöner könnte ein letzter Tag auf dem Wasser nicht sein. Mit dem Dinghi fahren wir zu den 2sm entfernten Sandinseln, die jedoch nicht aus Sand, sondern aus Korallen und Muscheln bestehen. Besonders Muscheln und Schneckenhäuser liegen hier tausendfach. Die schönsten sammeln wir ein...

  

Das Liegen und Arbeiten auf einer Werft ist meistens entbehrlich. In diesem Jahr ist es jedoch anders. Da wir die doppelte Zeit haben dürfen wir „doppelt so langsam“ arbeiten und geniessen den Aufenthalt auf dem Atoll. Arbeiten schon vor Sonnenaufgang und haben nachmittags Zeit für ausgedehnte Spaziergänge oder Schnorchelausflüge.

 

 

Wie zur Belohnung sind wir erneut eingeladen, bei Pauline, Alfred und Toni.

 

Gemeinsames Singen zu Ukulele und Gitarre am Lagerfeuer mit gegrilltem Tiger-Grouper einem Grossbarsch. Zuvor waren Alfred, Manu, Marc und Andi mit Harpunem bewaffnet zu einem Riff in der Lagune gefahren und hatten das Abendessen geschossen. Trotz Haien im Wasser...

 

Es ist eine schöne Zeit in der Familie, trotz der Arbeiten, für die wir ja 12 Tage Zeit haben.

 

Und allabendlich geht zwischen den Palmen hinter dem Boot glutrot die Sonne baden. Zum Ausgleich für die vielen Moskitos.

 

 

So steht unsere BONAFIDE nun fertig an Land und wartet auf die nächste Segelsaison. Wir hatten viel Zeit für Inspektionen und Pflege. So hat unser Dampfer in diesem Jahr den besonders grossen Service bekommen und ist wieder TIP-TOP in Schuss.

Wir fliegen von Apataki nach Papeete und leider erst vier Tage später weiter nach Rapa Nui. Die Flugverbindungen gehen beide nur einmal wöchentlich.

 

 

 

Von hieraus starten wir unsere Rückreise nach Deutschland – diesmal etwas anders als auf dem direkten Weg. Zwei Jahre lang haben wir für diese Reise gelesen und geplant, jetzt ist es soweit.....

 

 

 

 

 

CHILE
CHILE

 

 

 

CHILE

 

 

 

Vor der Küste Chiles liegen tausende Inseln. Eine jedoch fällt besonders durch ihre Vergangenheit sowie durch ihre exponierte Lage auf:

 

                   „Te Pito o te Henua“ - Der Nabel der Welt

 

 

ISLA DE PASCUA oder auch RAPA NUI          027°75` S  109°20` W

 

 

 

Als sehr ungemütlich ist das Seegebiet bekannt, dass das östliche Ende des Polynesischen Dreiecks umgibt. Das Fehlen eines geschützten Hafens oder einer Bucht ist das Manko an dieser Insel. Hier will man nicht vor Anker liegen.

 

Sie ist die „einsamste“, von anderen menschlichen Siedlungen am weiten entfernteste Insel weltweit.

 

 

Nur 1x wöchentlich gibt es eine Flugverbindung ab Papeete zur Isla de Pascua. Eine ruhige Reise über unruhiges Wasser.

 

Nach sechs Flugstunden landen wir auf der überlangen Piste von Hanga Roa.

Die NASA hatte die Landebahn auf 3,5km verlängert um mit ihren Spaceshuttles in Notfällen auch hier landen zu können.

 

 

 

Isla de Pascua sagen die machthabenden Chilenen. Rapa Nui nennen die Einwohner ihre Insel.

 

Bei uns ist diese als Osterinsel bekannt, da sie 1722 zu Ostersontag endeckt wurde. Von einem holländischen Seefahrer namens Jacob Rogeveen.

 

Es lebten damals rund 2000 Menschen in primitiven Verhältnissen auf der Insel. In der Folgezeit kamen Engländer, Franzosen und Spanier vorbei aber segelten enttäuscht wieder davon. Ausser Frauen und Wasser gab es hier nichts zu holen.

 

1862 kidnapten und verschleppten peruanische Sklavenhändler etwa 1500 Einwohner zur Zwangsarbeit in Guanomienen. 15 von Ihnen kehrten Jahre später zurück, brachten jedoch die Pocken mit.

 

Letztendlich überlebten nur 110 Einwohner.

 

1888 wurde die Osterinsel von Chile annektiert.

 

 

 

Hanga Roa ist heute die einzige Stadt auf der Insel. Hier leben die meisten der etwa 5000 Einwohner. Es gibt ein paar Restaurants und Bars, viele kleine Pensionen und Hotels und wegen der Erdbeben keine hohen Gebäude.

 

Ein Museum, ein paar Läden und eine Post. Hanga Roa ist sehr übersichtlich aber auch ohne diese Stadt ist die Insel eine Reise wert.

 

Überall sieht man die riesigen Moai, steinerne Statuen, mit überlangen Ohren, breiten Nasen und einem Hut. Rund 3000 Jahre alt erregen sie die Phantasie...

 

Wozu hat man sie erbaut ?

 

Verschiedene Familienclans hatten sie errichten lassen, je nach Wohlstand und Macht.

 

Die Insel wurde bis zum letzten Baum abgeholzt um die bis zu 70 Tonnen schweren Figuren aus den bis zu 12km entfernten Steinbrüchen an die Küsten zu transportieren, man brauchte Baumstämme.

 

Das Desaster, ein paar Jahre später: Es gab kein Holz mehr um Boote zu bauen. Keine Möglichkeit mehr, zu anderen Inseln zu segeln.

 

Totale Isolation bei zunehmender Überbevölkerung....

 

 

Mehr als 20000 Menschen sollen einst hier gelebt haben. Sie haben ihre Insel gerodet und verwüstet.

Stammesfehden folgten und die meisten Moais wurden umgestossen und zerstört.

Es folgte ein regelrechtes Gemetzel unter den Stämmen.

 

Mehr als 1000 Jahre gab es durch die Isolation keinerlei Einflüsse von aussen.

 

Beeindruckend ! Hier scheint sich die gesamte Menschheitsgeschichte en Miniatur abgespielt zu haben...

 

 

 

Für drei Tage mieten wir uns einen Scooter und brummen die staubigen Pisten entlang. Die Strassen sind gut befahrbar und uns begegnen überall frei laufende Kühe und Pferde. 

Im Zentrum der Insel gibt es grosse Waldgebiete, meist Eucalyptus.

Wunderschön sind die schilfbewachsenen Kraterseen inmitten der Vulkane.

 

Am Kraterrand des Vulkans Rano Raraku lag die Werkstatt der Steinmetze. Mit Steinäxten wurden hier die Statuen aus dem Lavastein heraus geschlagen. Über einen Zeitraum von etwa 500 Jahren. Überall liegen unvollendete Kolosse, der grösste etwa 11 Meter. Teilweise schon aufgerichtet.

 

Ohne jede Ordnung stehen sie wie im Erdreich versunken, als warten sie auf irgendetwas.

 

Es müssen hier 100te Steinmetze gleichzeitig gearbeitet haben, so riesig ist das Gelände.

 

Von einem Tag auf den anderen, so scheint es, haben sie alles stehen und liegen lassen. Eine gesamte Kultur hatte hier ihr rätselhaftes Ende gefunden.

 

Die Moai hatten versagt, konnten sie die Menschen nicht vor der Torheit bewahren ihre eigene Insel zu zerstören.

 

 

 

So entwickelte sich ein neuer Glaube: Der Kult des Vogelmannes....

 

 

 

Über eine Steinpiste fahren wir zum Zeremoniendorf Orongo am Kraterrand des Vulkans Rano Kau an der Südwestspitze der Insel, wo jedes Jahr im Frühling der Wettkampf des Vogelmannes ausgetragen wird.

Junge Männer klettern die steilen 200 Meter hohen Klippen hinab, schwimmen eineinhalb Kilometer zum vorgelagerten Inselchen MotuNui, suchen dort ein Seeschwalbenei und schwimmen mit diesem in einem Schilfkörbchen auf dem Kopf zurück. Ein anstrengendes und wirklich gefährliches Unterfangen bei Strömungen, heftiger Brandung und dem Konkurenzkampf unter den Wettstreitern.

 

Wer zuerst mit einem unbeschädigten Ei zurück war, dessen Clanchef wurde Vogelmann des Jahres - Herscher über die Insel für das kommende Jahr.

 

 

 

 

 

Wir finden Höhlen, besteigen Vulkane oder sitzen gemütlich am Meer und sind froh nicht selber hier vor Anker zu liegen. Ins Wasser zieht es uns bei etwa 20°C nicht.

Vor dem Ort findet ein Surfcontest statt, die Wellen sind ordentlich.

 

An Land liegt das Wrack eines etwa 15m langen Seglers, der verzweifelt versucht hatte in den kleinen Hafen zu gelangen um Schutz zu finden.

 

Er landete auf den Felsen und wurde zum Totalverlust.

 

 

 

 

Aus dem alten Hafen bei Ahu Tahai hat man einen herrlichen Blick nach Westen. Im roten Abendlicht beobachten wir, wie hinter den unbewegten Mienen der grossen Moai die Sonne ins Meer fällt.

Hier steht auch jener Riese, dem man die Augen wieder eingesetzt hat. Aus weissem Korallenkalk und roter Vulkanschlacke, so wie es früher ausgesehen haben soll.

 

Es folgt ein Sonnenuntergang wie schon lange nicht mehr.

In pechschwarzer Nacht spazieren wir die Hauptstrasse hinunter bis nach Hanga Roa.

Ein Sternenhimmel wie aus dem Bilderbuch. Es gibt kaum Restlicht.

 

Im Hotel Manavai sehen wir uns auf der grossen Leinwand Kevin Costners Hollywoodstreifen „Rapa Nui“ an, der hier „auf Bestellung“ gezeigt wird.

 

Hier am Ort des Geschehens wirkt er seltsam berührend.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

SANTIAGO DE CHILE                  33°27`S   70°40`W

 

 

CHILE erstreckt sich von Nord nach Süd über ganze 4.327km.

Santiago, die Hauptstadt, ein Molloch mit etwa 6,0 Mio Einwohnern, liegt im Tal des Rio Mapucho inmitten der längs durch Südamerika laufenden Anden, die etwa hier mit über 6800m ihre höchsten Erhebungen haben. Es gibt rundum viele Vulkane auf die auch die häufigen Erdbeben zurückzuführen sind.

Das Klima soll insgesamt etwa dem der Mittelmeerregion entsprechen. Es ist meist trocken und zwischen 8° und max.18° C. Warm - für uns eher kalt.

Vorbei sind die Zeiten von Shorts und T-Skirt.

 

Ausserdem soll Chile das sicherste Land sein, in gesamt Südamerika.

 

 

Santiago beherbergt 26 Universitäten und Hochschulen, viele Museen und ist für gute Restaurantes bekannt. Ausgedehnte Fussgängerzonen erleichtern das Schlendern zwischen Kolonialbauten, Glaspalästen und Wolkenkratzern. Ein Hauch von Manhattan zwischen Häusermeer, und Schneegebirge.

 

Es ist die einzige Stadt weltweit, von der in weniger als 100km Badeorte am Pazifik, sowie auch die Skigebiete in den Anden erreichbar sind.

 

Die Stadt gliedert sich der Einfachheit halber in 37 selbstständige Comunas. Man kämpft mit Umweltproblemen in Flüssen und bei der Müllbeseitigung.

Bedingt durch die umliegenden, hohen Berggipfel ist die Luft dieser Stadt bei Inversionswetterlage eine der schlechtesten weltweit – so der Reiseführer.

Auch die Kriminalität sei ein Problem....  Wir sind gewarnt.

 

  

Von Rapa Nui kommend, stehen wir nach einem fünfstündigen Flug innerhalb des Airports vor einem grossen Taxischalter. Hier „bucht“ und bezahlt man sein Taxi zu festen Preisen. Der Taxifahrer bekommt den Beleg mit dem Ziel, es gibt keine Diskussion und keinen Ärger um den Preis.

Sonntag ist unser erster Tag in dieser Stadt. Erwartungsgemäss hat nur ein Teil der Läden geöffnet. Vom Plaza de Armas ausgehend schlendern wir durch enge Strassen und grüne Parks, in denen die Locals ihren Sonntag verbringen.  

Sonniges Frühlingswetter. Für 13°C sind sie mit T-Skirts und kurzen Hosen recht leicht bekleidet – wir sind eingepackt und frieren dennoch.

 

Aus dem Vergnügungsviertel Bellavista geht es mit der alten Standseilbahn auf den 880m hohen Cerro de San Christobal mit der übergrossen Marienstatur. Von oben überschaut man die gesamte Stadt, bis in die bis 5.600m hohen Cordillieren.

 

Es gibt wahnsinnig viele Künstler und die Stadt ist voll von Kunstwerken, Standbildern, Plastiken und Bildern. In Metros, Bussen und Stationen, überall gibt es kleine Darbietungen qualitativ hochwertiger Musik.

 

Im Parque Forrestal am kanalisierten Rio Mapocho treffen sich sonntags die Einwohner. Mit oder ohne Kinder.

Hier dreht sich alles um die kleinen: Zauberclowns, Akrobaten, Leihkettcars, Trampolinspringen, Wasserspiele, Klettergerüste und frische Pommes...  

Wo sollte man auch hingehen, in einer solchen Stadt.

Ohne Zweifel gehören die Wochenenden hier in den Städten den Kindern. Es wird alles gegeben, unglaublich viel: Wer hier noch keine Kinder hat, der möchte welche. So unglaublich kinderfreundlich ist diese Gesellschaft.

Gegen Abend, wenn es dunkel wird verlassen Kinder, Kettcar- und Dreiradverleiher die Parks und es kommen Musikgruppen mit jungem Publikum und geben Konzerte. Auf recht hohem Niveau.

So sind schon wieder die Parques de Comunales Treffpunkt für viele.

 

In Santiago leben tausende "freie" Hunde. Man sieht diese überall und sie werden oft an- oder überfahren. Allerdings hört man nachts das Gebelle, wenn einer dieser Hunde in einen fremdes Revier kommt.

 

Die Stadt selbst soll eine der sichersten sein, in Südamerika. Dieses Gefühl haben wir nicht, denn wir sehen Rolltore, gesichert mit 12 (zwölf) Schlössern und fremde Passanten, die Angst haben um unseren Rucksack und uns warnen. Ebenso Gebäudesicherungen mit Natodraht.

 

Im Museo de Historica bekommen wir einen Eindruck in die jüngere Vergangenheit Chiles, das erst seit 1988 eine freie Demokratie ist und die Wunden der Pinochet-Diktatur bis heute nicht richtig überwunden hat.

Die Geschichte erinnert stark an die der DDR. Das Volk hatte immer wieder demonstriert und wurde hart dafür bestraft.

Gefangennahme, Folter, Mord - immer wieder.  Entsorgung politischer gefangener und der Toten aus dem Hubschrauber ins Meer.  Und immer wieder Proteste der Bürger - bis zur Selbstverbrennung aus Verzweiflung. Ein schwieriges Thema.

 

In Santiago leben hunderte Obdachlose. Tagsüber sieht man ihr Hab und Gut zusammengerollt in Ecken liegen. In vielen Strassen riecht es stark nach Urin - es fehlt an öffentlichen Toiletten.

Man sieht aber auch wie Müll verbrannt wird, am Strassenrand, obwohl der an den Strassenecken aufgetürmte Müll und Dreck wöchentlich abgeholt wird.

Mit Baggern werden grosse Mengen Müll in den Rio Mapucho geschoben. Ob dies so richtig ist ?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Santiago:

 

 

 

 

 

VALPARAISO                                         33°02´ S 71°37´ W

 

Mit dem Bus erreicht man Valparaiso in 90 Minutos ab Santiago.

Aus dem einst paradiesischen Tal ist längst eine Großstadt geworden.

Die Hafenstadt mit 200.000 Einwohnern lockt uns mit Schrägaufzügen, stegähnlichen „Walks“ und Aussichtsterrassen. Etwa 30 bis zu 400m hohe Hügel säumen den „El Plan“ genannten Küstenstreifen und geben dem Ort einen etwas schrägen Eindruck.

Aus Platzmangel wurden selbst die Hügel bebaut. Wie Schwalbennester kleben

bunt angemalte, liebevoll gestalltete Holzhäuser dicht an dicht an den Hügeln vor der steilen Küste.

Dazwischen unzählige Treppen und viele alte Schrägaufzüge die hinaufführen, auf die Cerros ( Hügel), von denen man nach allen Seiten umwerfende Ausblicke hat.

 

Mehrmals werden wir angesprochen unseren Rucksack besser bauchseits zu tragen und diesen gut fest zu halten....

Unsere Unterkunft, ebenfalls sehr bunt und liebevoll gestaltet, liegt nicht in der Stadt sondern auf einem Hügel, also mittendrinn.

Selbst in der Dunkelheit kann man hier ohne Probleme und ohne Rucksack ausgehen.

Es gibt hunderte kleiner Tiendas / Läden, meistens in einer Grössenordnung von 4 x 4 Metern, als Boutiquen, Kunsthandwerksverkauf, kleinen Bars oder Restaurantes.

Erstaunlich, was hier auf diesen kleinen Flächen machenbar ist.

Oft sind Wohnungen als Läden umgestaltet und in jedem der vier Zimmer befindet sich ein anderer Laden.

Dies macht die Städte schön zum Bummeln und Schlendern.

Hinter jeder Ecke findet man wieder etwas neues.

 

Bei einer Tasse Tee hören wir, wie der Wind heult und am Holzgebäude zerrt.

Wir geniesen, dass es nicht schaukelt und dass wir nicht um den Halt des Ankers bangen müssen.

 

Valparaiso ist wieder ein Ort an dem man länger verweilen könnte.

Interessant bis in die letzten Ecken.

Nicht umsonst wurde der alte Stadtkern des Ortes von der Unesco zum Weltkulurerbe erklärt.

 

 

 

 

 

VINA DEL MAR                32°54´00 S     71°28´00 W

 

Zu den Stränden am Meer ist es von Valparaiso auch nicht mehr weit.

Nur 10km weiter liegt das Örtchen Vina del Mar ( Weinberg am See ).

Der krasse Gegensatz zu Valparaiso: Keine Hügel, keine kleinen Häuschen, keine Kräne, keine Schiffe, keine Kais. Nur abgesperrte Bloques und von Appartementhochhäusern gesäumte Strände. Eine mondäne Retortenstadt mit Badestrand, die Residenz der Bessergestellten. Es gefällt uns nicht besonders, denn es gibt hier keine schattigen Plätze, wo man verweilen könnte und nur wenig Grün.

Der Strand ist nicht sauber und die See mit ihren 22°C vermag uns nicht zum Baden verführen.

So sind wir mit der Metro schnell wieder in Valparaiso.

 

 

 

Als das Wetter schlechter wird entscheiden wir uns spontan für ein paar weitere Tage in Santiago um noch ein paar Museen zu besuchen.

 

 

 

 

IN VALPARAISO.

 

No. 65

 

 

CALAMA      21°23´S    69°00´W

 

( und CHUQUICAMATA )

 

Etwa 1.600km nördlich von Santiago liegt die staubige Bergbaustadt Calama. Sie liegt auf einem Hochplateau in den Anden auf etwa 2200m Höhe, zwischen weitläufiger, karg bewachsener Bergketten inmitten trockenstaubiger Wüstenlandschaft.

 

Calama sieht aus als wäre es am Reisbrett entstanden. Hunderte quadratisch angelegte Bloques mit relativ flacher Bebauung.

Derweil baut man an der Aufwertung der Stadt.

 

Es entsteht mitten im Centro eine grosszügig angelegte Fussgängerzone die den reizlosen Ort sicherlich etwas aufwerten wird.

 

Weitere 15 Kilometros nördlich liegt Chuquicamata unser eigentliches Ziel:

Eine riesige Staubwolke liegt über dem Ort.

Über 15.000 Bergarbeiter arbeiten hier rund um die Uhr in der Kupfermiene. Sie sprengen das Gestein aus den Felswänden, transportieren es mit gigantisch grossen LKW aus dem "Loch" die Serpentienen hinauf in die Schmelzöfen der Mienengesellschaft.

Eindrucksvoll, wie sich diese Riesenlaster voll beladen im Schneckentempo die Kurven hoch schleppen.

Das Erz wird sodann zerkleinert und gewaschen bevor

bei glühenden Temperaturen das Kupfer aus dem Gestein geschmolzen wird.

Das Metall wird immer begehrter, so dass sich das 120qkm grosse Abbaugebiet immer weiter ausbreitet.

Etwa 4 x 3 km gross und 900m tief ist das grösste Loch der Welt heute.

 

Der Abraum wird auf riesige Halden geschüttet, die bereits einige Strassen und Häuser des Bergarbeiterstädtchen unter sich begraben.

22.000 Menschen lebten hier.

Chuquicamata ist vollkommen verlassen und gleicht einer Geisterstadt.

Die staatliche Mienenbetreibergesellschaft CODELCO baute für seine Angestellten nicht nur die Häuser und Wohnungen sondern auch Schulen, Kindergärten und Sportstätten.

Da sich die Miene immer weiter ausbreitet verlieren die Einwohner ihre langjährige Heimat, viele sogar ihre Gesundheit, denn der überall herumfliegende, feine Mineralstaub ist stark gesundheitsschädlich.

Und es gibt hier kein Wasser mehr. Man hatte lange die Abwasser aus der Erzreinigung einfach versickern lassen, so dass heute das Grundwasser stark mit Giftstoffen kontaminiert ist.

 

Die Einwohner mussten umsiedeln in die "neue" Nachbarstadt Calama, ob sie wollten oder nicht.

 

 

Weitere Infos:  www.codelco.com

 

 

 

 

 

 

Auf der  RUTA DEL DESIERTO  durch die Atacamawüste

 

 

 

SAN PEDRO DE ATACAMA

 

Schon die eineinhalbstündige Busfahrt von Calama nach San Pedro stimmt uns ein auf die Wüste.

Der Bus fährt durch die steinig-staubige, graugelbe Wüstenlandschaft zwischen zwei Vulkanketten liegend. Über die inneren Vulkane verläuft die Grenze zwischen Chile und Argentinien, hinter der äusseren beginnt bereits der Oceanico Pacifico.  

Luftspiegelungen wie Fatamorganas lassen in der Ferne Seen sichtbar werden. In der Ferne die schneebedeckten Gipfel der Anden.

Das 3000 Einwohner zählende Örtchen San Pedro liegt an Rande des Atacamasees eines Salzsees in der Wüste und ist Anlaufstelle vieler Touristen.

Der Ort besteht aus Lehmhäusern und einer weiss gestrichenen Kirche im Kolonialstiel. Mobiliar und die Decke aus Kakteenholz, das einzige verfügbare Holz weit und breit.

Oberhalb des Rio San Pedro liegt die alte Festung PUKARA DE QUITOR aus dem 12. Jahrhundert.  

 

Eine Tagestour bringt uns zu den Altiplano Lagunen Miscati und Meniques . Über die beiden kleinen Andendörfer Toconao und Socaire verläuft die Piste immer steiler und holpriger bis auf eine Hochebene in etwa 4500m. 

Es ist alles wesentlich anstrengender und langsamer, obwohl wir Cocablätter kauen. Dies soll gegen die Höhenkrankheit vorbeugen...

 

Wir frühstücken auf einer Höhe von 4208m über dem Meer.

Vom einem Höhenrücken hat man nun einen malerischen Ausblick auf die beiden Lagunas. Von weissen Salzkrusten ummantelt liegen diese beiden Seen in etwa 4200m Höhe.

Im Hintergrund erheben sich die noch weit höheren Vulkane,

noch immer mit kleineren Schneeresten. Einer dieser vielen Vulkane raucht und ist offenbar noch immer aktiv.

 

 

SALAR DE ATACAMA

 

Auf dem endlos scheinenden, etwa 3000qkm grossen Salzsee hat die Natur bizarre Salzschollen aufgetürmt. Sein Nordufer liegt nur 40km von San Pedro entfernt. Ganze 1450 Meter ist die Salzkruste dick. Diese ist durch Verdunstung und starke Winde zu scharfkantigen Schollen aufgeworfen worden. Beim gehen knackt es laut, wie auf einem zugefrorenen See.

Am Nordrand des Salar befindet sich die Quebrada de Jerrez, eine Flussoase (wegen des Salzes ohne jedes Grün ! )  in der man u.A.Flamingos beobachten kann.

 

 

In der Atacamawüste:

 

 

IQUIQUE                        20° 12`S    70° 09`W

 

 

 

Mit BUSTUR fahren wir über Nacht von San Pedro nach Iquique.

Dies bedeutet aus dem Aymara übersetzt Rast und Ruhe. Damit ist es vorbei gewesen, als man 1880 begann in der Umgebung des Hafenstädtchens Salpeter abzubauen.

 

Aus dieser Zeit stammen noch die vielen Holzhäuser und -Paläste sowie das alte, prunkvolle Theater.

 

Diese Zeiten sind heute längst vorbei. Der Hauptarbeitgeber ist heute die Fischmehlfabrik, die man im Ort riechen kann.

Wir wohnen zwischen modernen Hochhäusern in einem liebevoll restaurierten Hostal von 1880.

 

Die Avenida Baquerdano, die Hauptstrasse in der Altstadt wurde liebevoll restauriert. Auf hölzernen Gehsteigen bummeln wir an zweistöckigen Ballustradehäusern vorbei zum Glockenturm um den Plaza Prat mit nebenliegendem Centro Espaniol und Teatro Real. Alles aus Holz.

 

Der Palacio Astoreca ist der einstige Palast eines Salpeterbarons, leider nur selten für Besucher geöffnet.

Iquique ist unsere letzte Station in Chile.

Nur zwei Tage bleiben wir hier, bevor wir nach Bolivien weiterfliegen.

 

 

CHILE hat uns gefallen, wenn auch dieses Land weniger kulturelle als vielmehr landschaftliche Sehenswürdigkeiten bietet: Die Osterinsel, der kalte Süden und die Atacamawüste.

Chile bedeutet aber auch Mienen, Abbau von Mineralien oder Erzen, mit Hilfe von Chemikalien, die das Grundwasser nachhaltig verseuchen.

Bedenklich, dass fast an allen besuchten Orten das Leitungswasser nicht trinkbar, wenn nicht sogar toxisch gewesen ist.

Die Preise und Lebenshaltungskosten sind vergleichbar mit den deutschen - für Südamerika eindeutig zu teuer.

 

 

 

Iquique, 07.11.2016

 

 

 

 

 

 

BOLIVIA
BOLIVIA

 

BOLIVIA                       ( LAGOS,  RIOS  Y  VOLCANES )

 

 

Das Land mit dem höchsten Anteil Indianischer Bevölkerung wirbt damit, das „wärmste“ Andenland zu sein. Klimatisch ist es jedoch aufgrund der extremen Höhen, jenseits von 4000m ganz besonders während der Nächte klapperkalt.

Ein Hotelzimmer mit Heizung wird hier als Wohltat empfunden und bei jeder Hotelbuchung erfragt man schlauerweise ob eine Heizung vorhanden ist, will man nicht in voller Montur nächtigen.

Tagsüber brennt die Sonne so heiß wie auf See, so dass eine Sonnenschutzcreme mit höchstem Schutzfaktor immer im Gepäck ist.

Die Luft im Hochland ist dünn. Sogar sehr dünn, so dass man oft pausieren muss, weil man einfach nicht genug Luft bekommt.

 

Bolivien ist das ärmste aller Andenländer. Nur ein kleiner Teil der Strassen ist asphaltiert. Der Rest besteht aus abenteuerlichen Pisten, oft in schlechtem Zustand.

Diese schlechten Strassenverhältnisse lähmen die Wirtschaft aber sie beflügeln uns, wissen wir doch wo wir her kommen.

 

Bereits am Klima der Stadt Santa Cruz de la Siera wird klar: Der Urwald ist nah. Er beginnt dort, wo die Strassen enden. Spätestens hier wird klar: Bolivien ist ein echtes Abenteuerland. Eines der letzten.

 

( INFOS: www.boliviabella.com )

 

 

 

 

SANTA CRUZ DE LA SIERA

 

Mit über 2 Mio Einwohnern ist Santa Cruz die grösste Stadt Boliviens. Durch zahlreiche Erdöl und -Gasvorkommen in der Region auch die reichste, eine echte Boomtown.

Urlauber lockt die Stadt mit tropisch-heissem Klima, einem lebhaften Centro, mehreren Museos sowie möglichen  Ausflügen zu ehemaligen Missionsdörfern oder in artenreiche Nationalparks.... so der Reiseführer.

 

Wir nutzen Santa Cruz de la Siera um unsere Tour durch Bolivien von Süd nach Nord hier zu beginnen.

("de la Siera" ist wichtig, Santa Cruz gibt es in Bolivien vier mal.)

Mit Claude und Rolf von der SY TIKA haben wir uns hier verabredet. Segelfreunde die wir bereits in der Karibik kennengelernt und zu denen wir, wie zu vielen anderen Booten auch, über viele Jahre den Kontakt über Winlink/Airmail, SSB-Funk gehalten haben.

( Es lebe der Bordfunk !! )

Sie sind ebenfalls derzeit in Bolivien und haben auf BONAFIDEBOOT.DE von unseren Reiseplänen gelesen.

 

Die Innenstadt quillt regelrecht über vor Läden mit aus Argentinien oder aus Brasilien importierten Waren. Kunsthandwerk in allen möglichen Varianten findet man auf dem Marcado, Mode und teure Markenartikel im Shoping Bolivar, einem Marktviertel zum flanieren. So sehr wir auch suchen, echte Sehenswürdigkeiten finden wir nicht. Im fortwährenden Verkehrschaos gewinnt immer der agressivere Fahrer. Es wird viel gehupt, auf zwei Fahrspuren fährt man zu dritt nebeneinander, Ampeln werden ignoriert. Die Taxifahrer haben es drauf. Die Stadt wirkt exotisch-chaotisch, ganz anders als die chilenischen Städte.

Wir wohnen mitten im Zentrum im SENSES-BOUTIQUE-HOTEL, recht feudal aber absolut ruhig mit grossem Pool und vielen weiteren Annehmlichkeiten.

Zusammen mit Claude und Rolf planen wir die Weiterreise in den nächsten Tagen...

 

 

 

SAMAIPATA

 

Drei Stunden mit dem Sammeltaxi bringen uns in den 120km entfernten Ort Samaipata. Etwa 1000 Menschen leben hier auf ca 2.000m Höhe. Eine kleine, beschauliche Stadt rund um einen schattig beflanzten, grossen Platz.

 

Die Festungsanlage aus der Incazeit El FUERTE ist heute Nationalpark.

Restauriert mit einem kleinen Museo. Hier sind etwa 3000 jahre alte Felsgravuren zu bestaunen, jedoch nicht von den Incas.

 

Etwa 15km hinter dem Dorf Samaipata liegt der Ort La Higuera. In der Schule dieses Ortes fand der junge argentinische Arzt und Reveluzer

Ernesto Guevara, besser bekannt als „Che Guevara“ schon einen Tag nach seiner Gefangennahme sein jähes Ende. Ein kurzer Prozess, mit Hilfe der amerikanischen CIA.

 

Der Nationalpark AMBORO´ist gut für eine 7-Stündige Wandertour. Auf 2.000 - 2.500m befindet sich ein Nebelwald, genau auf der Höhe, in der normalerweise die Wolken ziehen, entsprechend feucht ist es.

Hier wachsen Wälder aus riesigen Baumfarnen. Sie wachsen nur 2cm pro Jahr, sind aber schon 7 - 10m hoch

und gespenstig mit Flechten überzogen. 

Die Sonne lacht, keine Wolken kein Regen.

 

 

 

 

 

SUCRE

 

 

 

Laut Werbung offenbar die schönste Stadt Boliviens und der Verfassung nach die Hauptstadt des Landes.

 

Mit wunderschön restaurierten Kolonialbauten und weiss gestrichenen, prunkvollen Kirchen breitet sich Sucre auf einer Andenterrasse in etwa 2800m Höhe aus. Die 250.000 Einwohner zählende Stadt ist bereits seit 1624 Universitätsstadt.

 

Ihr Zentrum ist der stets von Studierenden belagerte Platza 25.de Mayo

 

mit einem Denkmal des Namensgeber General de Sucre.

 

Ihm zu Ehren wurde die schon 1538 gegründete Stadt nach Verleihung der Unabhängigkeit 1828 umbenannt – war die Stadt doch das Zentrum des Unabhängigkeitskampfes und General Sucre ihr Held.

 

 

 

Sucre bietet alles was eine Hauptstadt zu bieten hat. Modernes, pulsierendes Leben mit Kinos, Theatern, Museen, Restaurants, Bars, vielen Kirchen und einer riesigen Kathedrale, in der auch Boliviens wertvollste Marienstatue zu bestaunen ist. Ihr Umhang ist mit Smaragten, Perlen und anderen Kostbarkeiten prunkvoll besetzt.

 

Wegen der häufig autretenden, schweren Erdbeben ist die Bebauung überwiegend zwei- bis dreigeschossig.

 

 

 

Schockierend ist jedoch die Kinderarmut in Sucre. Man sieht sehr viele 5 – 6 jährige Kinder sich bettelnd durch den Tag kämpfen. Als Schuhputzer, Autowäscher, Saftverkäufer oder bettelnd in der Gosse sitzend. Ein schlimmes Bild in dieser schönen Stadt.

 

 

 

CAL ORCKO´O

 

heist der Kalkhügel mit dem erst 1998 entdeckten, vermutlich grössten Spurenfeld aus der Kreidezeit also vor etwa 65 Mio. Jahren.

 

Insgesamt soll es mehr als 5000 zum Teil sehr gut erhaltene Dinosaurierspuren geben. Das Gelände gehört zur Fancresa Zementfabrik und darf leider nicht betreten werden. Mit Fernglas könnte man teile der Spuren sehen, hören wir.

 

Zum Ausgleich gibt es jedoch in der City den Kreidezeitpark für die Kleinen, mit Nachbildungen der Dinos von damals.

 

 

 

 

 

In Sucre:

 

 

 

 

 

POTOSI            Oberhalb von 4050m, höchstgelegene Stadt der Welt

 

                                           Tagsüber um 30°, nachts an die 4°C.

 

 

 

 

Potosi liegt um den Hügel Cerro Rico. Diesem „reichen Hügel“ verdankt Potosi die Gründung 1545, denn damals entdeckten Spanier die sehr ergiebigen Silberadern. Sie schickten Sklaven in den Berg um das Metall zu fördern.

 

Bis heute leben noch immer die Mehrzahl der 150.000 Einwohner Potosis vom Metallschürfen. Silber gibt es kaum noch, statt dessen wird Zink, Zinn und Blei abgebaut.

 

Eine harte, gefährlich giftige und wenig ertragreiche Arbeit wie zu Zeiten der Spanier.

In den Mienen arbeiten aber auch über 20.000 Kinder ab 12 Jahren. Überhaupt ist Kinderarbeit und Kinderarmut in Bolivien ein schlimmes Thema.

Wir hören, dass es bereits Zusammenschlüsse dieser Kinder gibt um gesundheitliche Rechte fordern zu können. Zuletzt forderten sie, dass man sie weiter arbeiten lassen soll...... ( ! )

 

In Potosi erinnern bis heute viele im Kolonialstiel erbaute Stadthäuser und prunkvolle Kirchen an die glanzvollen Zeiten.

Das Centro liegt auf einem Schräghang und gliedert sich um den Plaza 10. de Noviembre, ein schön begrünter mit vielen Wasserspielen verschönter Platz mit vielen Bänken, die zum Verweilen einladen. Endsprechend schön ist es hier zu sitzen.

 

 

 

Bei der Vereinigung ehemaliger Bergleute buchen wir eine Mienenbesichtigung in Pailaviri.

Bevor es los geht erwerben wir auf dem Markt Dynamit, Zünder und Cocablätter als Mitbringsel für die Bergleute.

 

 

Eine Cooperativa verteilt die Flöze und wacht über den Verdienst jedes Einzelnen. Nach 12 Monaten Anlernzeit arbeiten die Jungs selbstständig in Gruppen von bis zu 7 Mann.

 

Auf 5000m Höhe befindet sich der Eingang und wir verschwinden durch ein kleines Loch im Berg.

 

Das Wort Arbeit ist hier anders definiert. Es wird gebohrt ( mit Hammer und Meissel ! ) gesprengt, geschaufelt und mit Schubkarren nach aussen transportiert. Irrsinnig wieviel Schufterei für ein paar Gramm Zink, Zinn oder Silber hier notwendig sind.

Gearbeitet wird ohne elektrischen Strom in den Stollen oder irgendwelche Maschinen.

Cyanidverbindungen an den Stollenwänden erschweren die Arbeit zusätzlich, denn die weissen Ablagerungen sind hochgradig giftig und dürfen nicht berührt werden.

Über zwei Stunden laufen wir bergmannmässig ausgerüstet mit Schutzhelm, Atemschutz und Grubenlampe, gebückt durch enge Tunnels und Stollen und begreifen die Grösse des Systems.

Der Berg ist mit Stollen durchzogen wie Queso Suizza ( schweizer Käse ) Das mineralhaltige Gestein wird, wenn es draussen ist, mit LKW in die Erzwäscherei gefahren, wo es zerkleinert wird und mit Hilfe von Chemie die Metalle aus dem Erz gelöst werden.

Das Wasser versickert kontaminiert mit den Chemikalien....

Leitungswasser wiedereinmal eine giftige Sache.

 

 

Eine Art Matsch enthält schlussendlich die Metalle und wird mit LKW abtransportiert bzw.verkauft, um mit Hilfe von galvanischen Prozessen anderenorts an die einzelnen Metalle zu gelangen.

 

 

 

Unglaublich, wenn man bedenkt, wie billig Silberschmuck verkauft wird.

 

Einen Tag nach unserer Tour untertage gibt es hier ein Erdbeben mit sageundschreibe 6,8 Punkten.

Ob etwas passiert ist erfahren wir nicht.

 

 

 

 

 

Potosi :

 

 

 

 

UYUNI                 SALAR DE UYUNI     ( Das Salz der Erde )

 

 

 

 

Will man das grösste Salzmeer unseres Planeten aus der Nähe entdecken, braucht es Sonnenbrille und Hut. Fast wie auf See. Ausserdem braucht man sehr warme Kleidung, es ist auch tagsüber bitterkalt.

 

Der Salar liegt auf 3660m und ist der Rest eines vor Jahrmillionen versalzten Binnenmeeres. Salz soweit man sehen kann. Etwa 120 x 200km.....

 

Ganze 12.000 QKM ! Auf den Inseln INCAHUASI inmitten des Salzmeeres wachsen riesige Kakteen. Es sind tatsächlich Inseln, denn unter der

50-100cm dicken Salzkruste befindet sich tiefes Wasser.

 

Eine karge Landschaft die besonders durch das stechende Weiss beeindruckt.

 

Die Gran Pampa de Salada.

 

Im Norden des Sees liegt, gänzlich aus Salz erbaut das Hotel de Sal, eine weitere Atraktion. Es wurde geschlossen – die WC´s waren voll. ( ! )

 

Es gibt ein Denkmal an die DAKAR-RALLY, die jedes Jahr genau hier endet.

 

Wir sind international besetzt zu siebt unterwegs und haben viel Spass. Es entstehen Spassfotos durch täuschende Perspektiven.

 

Nach Sonnenuntergang fahren wir uns zum Terminal de Buses und reisen über Nacht die 500km nach La Paz.

 

 

 

 

 

 

 

In und um Uyuni:

 

 

 

LA PAZ                         16°30´S   68°09´W                     

 

 

 

La Paz, nicht Hauptstadt aber Regierungssitz und nach Santa Cruz de la Sierra die zweitgrösste Stadt in Bolivien. Es liegt von den eisigen Hochlandwinden relativ gut geschützt im Tal des Rio Choqueyapu.

Den dauerhaft eisbedeckten Vulkan Illimani sieht man von überall.

Die bessergestellten leben in den tieferen, weil wärmeren Bezirken, während sich die ärmere Bevölkerung mit den höheren, kälteren Stadtteilen wie z.B. El Alto begnügen muss. Diese dehnen sich bis zu einer Höhe von etwa 4100m aus.

 

500 Höhenmeter bedeuten hier 5°C mehr – oder weniger.

 

La Paz hat um die 1,2 MIO Einwohner und liegt unweit des Titicacasees, auf dem die bolivianische Marine noch immer mit Schnellbooten und scharfen Waffen den Erstfall probt. Man möchte wieder Zugang zum Pazifik....

 

Mit Seilbahnen erreicht man auch aus weiteren Entfernungen in kurzer Zeit das Centro in dem sich auf den bunten Märkten die verschiedenen Bevölkerungs-gruppen treffen.

Brauchte man noch bis 2014 für die 30km von El Alto bis nach Zona Sur bis zu drei Stunden im fortwährenden Verkehrschaos, sind es heute mit der modernen Teleferico - Seilbahn nur knappe 30 Minuten.

Der Firma Doppelmair in Östereich sei Dank.

 

Obwohl das Chaos in der Stadt gigantisch ist, gibt es unglaublich viel zu entdecken, unzählige Museen und ein riesiges, kulturelles Angebot.

Abends entdecken wir das Nachtleben La Paz: In vielen Bars und Restaurantes spielen junge, bolivianische Bands. Bass-, Panflöten, Trommeln und Guitarren in unglaublich guter Qualität.

Schade, wenn der Abend vorbei ist...

 

Wir schlendern und stöbern in der alten Stadtmitte um das Centro Historico. Das Angebot ist riesig und die Preise verführerisch. Gut, dass wir nur zwei Gepäckstücke haben.

 

Zauberei ?

Auf dem Hexenmarkt werden allerlei Merkwürdigkeiten angeboten: Lamaembryos zum Beispiel, kommen ins Fundament von Neubauten. Froschkacke soll gegen Reuma helfen. Getrocknete Seesterne als Liebeselexier ?

Hunderte Dinge die wir nicht deuten können, aber für jeden etwas.

Also für die, die es brauchen...

 

 

Oberhalb der Villen von "Zona Sur", dem Stadtteil der Besserverdiener befindet sich eine obskure Landschaft:

Valle de la Luna, Canyons in einer Sand-Lehm-Landschaft, durch Regen bzw. Errosion entstanden, heute ein Wochenenderholungsgebiet für La Paz.

 

Etwa 50km östlich gibt es eine Strasse, die jedes Jahr hunderte Tote gefordert hatte:

Die RUTA DE LA MUERTE, oder auch DEATH ROAD.

 

Für den Verkehr ist diese Strasse seit 2013 gesperrt, denn es gab jedes Jahr hunderte Tote durch spektakuläre Abstürze. Busse, Laster und Personen....  

Seit 2013 gibt es eine neue Umgehung. Wir buchen eine organisierte Fahrradtour über genau diese alte, von den Locals in Eigenregie in den Berg gesprengte Strasse.

Von 4850m lassen wir uns 75km bergab rollen bis auf 1160m.

 

Acht Stunden auf dem Rad, fast immer bergab, zusammen mit Leni und Jonny, zwei jungen Bolivianos und einem Guide, durch atemberaubende Landschaft.

Das bockt !!

 

Ein Ausflug führt uns nach COROICO. Dieses Dorf liegt malerisch auf einem Andenplateau. Die Fahrt dorthin geht atemberaubend über den 4650m hohen Pass Abra la Cumbe.

 

La Paz hat seit etwa sechs Monaten ein Wasserproblem. Da die vergangene Regenzeit gänzlich ausgeblieben war, ist die grosse Talsperre bei Abra la Cumbe fast gänzlich leer.

Es gibt kein Wasser mehr für die 1,2 MIO Einwohner.

Wir sind nicht direkt betroffen denn Hotels werden mit Wasserwagen versorgt.

Dennoch ein komisches Gefühl beim Duschen.

 

Die Müllentsorgung funktioniert in La Paz etwas merkwürdig:

Aus Kostengründen wird auf teuere Mülltonnen verzichtet. Man stellt seine Müllsäcke am Strassenrand ab - wo sie über Nacht von den vielen steunenden Hunden auseinander genommen werden. Die Müllarbeiter schieben dann den Dreck auf eine mitgebrachte Plane und heben diesen so ins Müllauto.

Der Wind hat jedoch in der Zwischenzeit leichtere Plastik- und Papierteile in der Stadt verteilt....  Auch fahren Autos über liegengebliebene Fruchtreste. In den Strassenrändern liegt fast überall Müll.

Es stinkt und es ist recht schmutzig. Südamerikalike.

 

Wir sehen auch öfter wie ältere Menschen im Müll etwas suchen. Die Anzahl armer oder obdachloser Menschen ist gewaltig.

Ein trauriges Bild, wenn man von völlig verwarlosten Menschen angebettelt wird. Und dies fast überall....

 

Regiert wird Bolivien seit 2006 nach einem langen chaotischen Hinundher von EVO MORALES und seiner MAS-Partei.

Überall sieht man aufgemalte SI EVO !

Das Volk scheint ihn zu lieben.        

( https://de.wikipedia.org/wiki/Bolivien#Revolutionen )

 

 

 

 

 

 

In und um La Paz:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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PERU
PERU

 

 

 

Mit dem Fernbus wollen wir von La Paz nach Puno in Peru. Da der Morgenbus bereits weg ist nehmen wir einen anderen, der bis Copacabana fährt. Von dort werden wir wohl weiterkommen...

Wir wundern uns, denn der Bus fährt eindeutig auf der Ostseite des Sees.

Puno und auch Copacabana liegen am Westufer.

Sitzen wir im falschen Bus ?

Bei San Pablo de Tiquina ist nach drei Stunden Fahrt plötzlich die Strasse zu Ende.

Alle müssen den Bus verlassen.

Sind wir schon da ?

Der riesige Bus wird auf ein Floss gefahren und abenteuerlich über die Seeenge nach San Pedro am Westufer des Lago Titicaca verschifft.

Weil dies nicht ungefährlich ist, müssen alle Passajeros samt ihrer Wertsachen mit einer kleinen Personenfähre übersetzen.

Erwartungsgemäss geht alles glatt.

 

 

 

Bei Kasani überqueren wir die Grenze nach Peru.

Zu Fuss.

So reisen wir aus Bolivien aus und 300m weiter in Peru ein.

Keine Fragen, keine Erklärungen. Absolut freundlich,

Bienvenidos de Peru !!

 

 

 

In Copacabana steigen wir um. Hier wartet bereits der halbvolle Bus nach Puno auf uns ( ? )

und zwei weitere Stunden später sind wir in Puno.

So einfach kann Busreisen sein.

 

 

 

 

 

PUNO      15°51´S   70°01´W      LAGO DE TITICACA

 

 

 

Die „Volklorehauptstadt“ Perus liegt auf 3860m am Westhang einer grossen Bucht des Titicacasees.

 

Vor Augen die Islas Flotantes, die schwimmenden Inseln aus Schilfrohr, auf denen noch immer ein paar Nachfahren der Uros wohnen.

Sie konnten nie von den Incas besiegt werden.

 

Im Rücken der Hausberg Huajsapata mit dem Denkmal an den ersten Inca

 

Manco Capac.

 

Der Legende nach kam dieser mit Mama Ocllo von der "Isla del Sol" im See und ging in der Bucht von Puno an Land um hier nach einem Ort für die Hauptstadt seines Reiches zu suchen.

 

Die für die Inkas unbesiegbaren Uros, die sich selbst „Kotsina“, Seemenschen nennen, blieben Siedlungen auf etwa 40 Inselchen aus Schilf bis heute erhalten.

Bis zu 50 Uros leben auf jeder dieser Inseln. In speziellen, schwimmenden Schulen werden sie unterrichtet, auch wie sie ihre traditionelle Kunst des Schilfinselbaues überliefern und an jüngere weitergeben.

Es ist interessant auf diesen Inselchen, denn man steht nur wenige Zentimeter über dem Wasser und das Schilf gibt nach wenn man sich bewegt.

 

 

 

Im Hafen von Puno befindet sich das Museo Flotante Yavari, ein in England gebautes, grösseres Motorschiff, welches um 1902 in Einzelteile zerlegt hier in die Berge zum Titicacasee geschafft und nach Ausserdienststellung

in den 80ern in ein schwimmendes Museum umgebaut wurde.

Mui interessante !

 

 

Puno ist eine Kleinstadt mit einer netten Füssgängerzone und dem See. 

Nach Sillustani fährt man um die Chulpas anzusehen,

38 halbzusammen gefallene oder gut restaurierte, etwa 3000 Jahre alte Bestattungstürme der Inca.

Sie liegen malerisch auf einer kargen Halbinsel inmitten einer Laguna, auf rund 4200m.

 

Juliaca liegt weitere 40km nördlich in flachem Gelände,

hat viele Industriebetriebe, ist staubig und hat für uns keinen Reiz.

 

 

 

 

Puno, Islas Flotantes, Sillustani....

 

 

 

 

CUZCO

 

 

Etwa 350km weiter nördlich liegt die Stadt Cuzco, das Touristenzentrum Perus.

Der Nachtbus benötigt ganze sieben Stunden...

 

Als die Spanier 1533 die Stadt Cuzco erreichten waren sie überwältigt vom Glanz und vom Reichtum der Stadt. Huaycapata, der Platz der Freude

( Heute Plaza de Armas ) war umspannt mit einer 250 Meter langen, dicken Kette aus purem Gold. Dahinter gab es Paläste mit goldenen Türmen, Gold- und Silberblech verzierten Wänden und allerlei anderen Prunk.

 

Inzwischen ist alles was einschmelzbar gewesen ist verschwunden. Geblieben sind koloniale Kirchen, die die Eroberer auf den Steinen der Inca errichtet haben. Es entstand in Cuzco eine selbst in Lateinamerika eizigartige koloniale Mischarchitektur, die die Unesco schon 1983 zum Weltkulturerbe erklärte.

Heute hat Cuzco etwa 300.000 Einwohner und liegt geschützt auf einer Höhe von 3430m im Tal des Huantanay.

Von seiner für die Inca heiligen Bedeutung zeugen bislang noch zahlreiche Bauwerke im naheliegenden Tal des Urubamba, auch „Heiliges Tal der Inca“ genannt, wo sich auf einem Felsgrat auch Machu Pichu versteckt.

 

Cuzco bietet zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Alleine auf dem Plaza de Armas, wo wir uns für gewöhnlich einstimmen und orientieren stehen La Cathedral und

La Compania, zweite riesige Kirchen.

 

Um uns schneller zurechtzufinden buchen wir eine Citytour für Touristas. Einen halben Tag, um 14:00 soll es losgehen.

 

COORICANCHA, die erste Station

hatten wir bereits vormittags besichtigt. Ganz in Ruhe.

Ein ehemaliges Kloster hinter dicken Mauern, eine eigene Stadt in der Stadt sozusagen mit allerlei Prunk und hochwertigen Ölgemälden, die das blutige Ermorden von Indios durch fliegende Engel im Namen der Kirche zeigen.

Wir klinken uns aus und stossen erst später wieder zur Gruppe.

32 Touristas in einem chinesischen Wang-Zong-Bus der sich überlaut untermotorisiert, mit Höchstdrehzahl und Rauchschwaden die Berge hinauf quält.

 

Station Nr.2, SACSAYHUAMAN ist ein riesiger Park, der vor etwa 3000 Jahren von den Incas angelegt wurde. Aus der Luft sehen die übriggebliebenen Grundmauern einem Pumagebiss ähnlich. Die eigentliche Sensation: Die verwendeten, tonnenschweren Steine wurden millimetergenau ineinander eingepasst und fugenfrei zusammengesetzt. Vor allen Atraktionen sitzen ärmere Verkäufer und preisen lautstark ihre Waren an, wie Mützen, Schals, Pullover - alles landestypisch farbenfroh mit Mustern und Lamas verziert.

 

Der weibliche Tourguide Jenny macht Dampf:

25 Minuten müssen reichen,

„Vamos, vamos, Amigos...no shopping, no shopping“.

 

So eilen wir durch den Park. Vor jedem grösseren Stein lichten sich tausende anderer Touristen gegenseitig ab und wir treffen uns wieder am bereit stehenden Bus, der zwischen etwa 50 anderen am Parkende mit schon laufendem Motor wartet.

 

Bei QUENGO, Station Nr.3

haben wir 15 Minuten Zeit um mit dem langsamen Strom von etwa 300 anderen, hintereinander durch eine schmale Höhle zu laufen. Für Jenny viel zu langsam. Es dauert lange und ist wenig sehenswert, da die Steine eh nicht sichtbar werden, zwischen den vielen Menschen.

40 Minuten später wird während der Fahrt zu Station Nr.4 die Verspätung festgestellt und 10 Minuten Zeit eingeräumt.

 

PUCAPUCARA, Nr.3

sei eine kleine Sehenswürdigkeit, „no Shopping, vamos, vamos....“

Wir bleiben im Bus, da wir keine Lust mehr haben und lachen mit anderen über „Jennywitze“. Ungeduldig wartet Jenny auf noch fehlende Touristen.

 

TAMBOMACHAY, Nr.4

ist ein Berg mit einer sprudelnden Quelle und diese letzte Station wird im Stechschritt erklommen.

„No shopping, no shopping Amigos“ Es ist mittlerweile eisig kalt geworden und es dämmert. Nicht schlimm, denn wir haben eh nur 15 Minuten und sind froh wieder im wärmeren Bus zu sitzen, mit laufendem Motor und Dieselgeruch.

Dieser bringt uns abschliessend zu

Nr.5,einem Artesana-Verkauf, wo Jenny warscheinlich Provision bekommt.

 

Wieder die gleichen, bunten Artikel und allerlei Schnickschnack.

Dinge, die die Welt nicht braucht.

Der Tee jedoch, mit frischen Cocablättern aufgebrüht, stimmt uns freudig:

Wir sind in Peru und die Tour ist vorbei.

 

 

Im Umkreis von 150km um Cuzco gibt es jede Menge weitere Sehenswürdigkeiten,

gut für einen Aufenthalt von 10 Tagen.   Zum Beispiel:

 

 

 

TAMBOMACHAY

 

Angeblich ein Jungbrunnen: Wer aus dieser Quelle trinkt wird 120 Jahre alt.

Sie ist daher eigezäunt und gut bewacht.

 

 

 

QUENGO

 

...wird eine Höhle genannt, in der die Inkas auf einem Altar ihre Verstorbenen einbalsamiert und zur Bestattung vorbereitet haben.

Die Höhle ist eigentlich ein Hohlraum zwischen riesigen Monolithen.

Durch einen kleinen Schacht nach oben kann man heute, genau wie damals, nachts die Wanderung der einzelnen Sterne beobachten.

 

 

 

PUCAPUCARA

 

wird ein Ort genannt, an dem sich die Grundmauern einer verfallenen Incafestung befinden. Ruinas mit Schutzgräben, grasüberwachsen.

 

 

 

SACSAYHUMAN

 

...heist eine Ruinenstätte vor den Toren Cuzcos. Aus der Luft betrachtet ähnelt der Grundriss einem Pumagebiss. Das Besondere aber ist die Präzision, mit der vor über 3000 Jahren die grossen, 100te Tommen schweren Steine mörtelfrei, milimetergenau aufeinander eingepasst wurden. Die Anlage ist einen knappen Kilometer gross und liegt auf einer Terrasse über Cuzco. Toller Ausblick inklusive.

 

 

 

VALLE SAGRADO DE LOS INCAS

 

Das heilige Tal der Inca, wie das Tal des Urubamba auch genannt wird, erstreckt sich auf 2900m Höhe zwischen PISAC und OLLANTAYTAMBO. Ein saftig, grünes, sehr fruchtbares Tal in deren Mitte sich der Fluss Urubamba ausbreitet.

Auf beiden Seiten erheben sich die schroffen Felsen um die 5000m Höhe.

Der höchste ist APUA MON CHOPRA mit 5100m.

In einem kleinen Seitental findet sich über den Wolken das Heiligtum INTIWATANA.

Von hier kommt also das Wort „pisacken“, wenn man einen Mitmenschen die vielen Stufen hinauf jagt.

 

 

 

MARKT in CHINCHERO

 

Chinchero liegt auf 3760m nur 30km vor Cuzco. Der Ausflug hierher lohnt besonders , wenn man die von innen sehenswert bemalte Kirche besichtigt.

Vieles ist mit Blattgold belegt und leuchtet eindrucksvoll.

Markt gibt es täglich. Indiofrauen bieten allerlei Kunsthandwerk in natürlich hergestellten Farben an. Schon während der Incazeit war Chinchero ein bedeutender Marktfleck. Balcones del Inca heissen die Terrassen, die seit Jahren wieder instand gesetzt werden. Hier wurden früher, zu Incazeiten Mais und Kartoffeln angebaut.

 

 

 

LAGUNA HUAIPO

 

ist der Wasserspeicher der etwa 400.000 Einwohner zählenden Stadt Cuzco.

Der See liegt malerisch zwischen drei 4500 – 5100m hohen, meist ganzjährig mit Schnee bedeckten Bergen.

 

 

 

SALINAS

 

Hier wird Salz gewonnen, mitten im Bergland. Aus einer Quelle sprudelt seit Jahrtausenden eine salzige Brühe. Regenwasser nimmt bei seiner Versickerung Mineralien aus dem Gestein auf. Bereits weit vor den Incas hatte man bemerkt, dass mit diesem Wasser keine Pflanzen gewässert werden können.

Man leitet noch heute, die Lake auf kleine Felder wo sie durch die Sonne verdunstet. Übrig bleibt NaCl, reines Kochsalz.

Ein unwirkliches Bild, die vielen weissen Felder in der kahlen, braunen Landschaft.

Jedes dieser vielen kleinen Felder hat einen anderen Besitzer.

Eine Cooperativa sorgt für Vermarktung und Ordnung.

 

 

 

PUEBLO DE MARAS

 

ist ein winzig kleiner Ort, mitten im Nirgendwo auf einem kleinen Andenplateau.

Man erreicht diesen Ort über eine spektakuläre Sandpiste,

die PISTA DIFICULTA, die sich in hunderten Kurven einspurig den Berg hinaufschlängelt. Gleich neben der Fahrbahn geht es hundert Meter steil bergab. Gegenverkehr macht das Ganze beängstigend, denn es gibt keine Leitplanken oder andere Sicherungen.

 

 

 

MURAY

 

In MURAY gibt es kraterförmig angelegte, runde Anbauterrassen aus der Incazeit. In einer Vertiefung wurden Mais und Kartoffel angebaut, da von den eisigen Andenwinden besser geschützt.

Ausser diesen alten, gut restaurierten Terrassen gibt es in MURAY nichts.

 

 

 

OLLANTAYTAMBO

 

Hunderte Stufen führen hinauf auf einen Felsgrat über dem Urubambatal.

Hier gibt es die eindruckvolle Ruine einer terrassenförmig angelegten Incafestung. On Top auf 4300m Höhe sind Wohnhäuser, Lager und Verteidigungsanlagen gut erhalten, so dass man sich das Leben in dieser Höhe gut vorstellen kann.

Von oben hat man eine spektakuläre Aussicht in die etwa 1500m tieferliegenden, benachbarten Täler und auf den Urubambata.

 

Hier befindet sich auch der Bahnhof, von wo aus die Züge nach Aguas Calliente fahren.

Zwei Unternehmen teilen sich den Markt, entsprechend teuer sind die Tickets. Jede Fahrt hat einen anderen Preis. Wir fahren mit INCARAIL einem nostalgisch nachgebautem Dieseltriebwagen mit breiten Ledersesseln.

Die Strecke verläuft oft beängstigend, hunderte Meter über dem Fluss. Zu eng für eine Strasse konnte man gerade den Platz für eine Schiene in den Berg sprengen. Unten fliesst der URUBAMBA durch einen Canyon mit unzähligen Stromschnellen. Die Bege sind oberhalb wolkenverhangen. Nach jeder Kurve zeigt sich ein neues, spektakuläres Bild der Berge. Die Strecke ist eingleisig, entgegenkommende Züge warten auf Ausweichgleisen. Oft geht es durch lange Bergtunnel. Gleich neben den Schienen verläuft der INCATRAIL, ein spektakulärer Wanderweg, auf dem man nach fünf Tagen AGUAS CALLIENTE erreicht. Die Landschaft ist unwirklich, steil und schroff, hier leben keine Menschen. Die Wagen haben Fenster in den Dächern, so kann man auch die Gipfel sehen. Da es flussabwärts, also in niedrigere Höhen geht wird die Vegetation immer grüner und saftiger. Am Ende fährt der Zug durch dichten, undurchdringlichen, tropischen Dschungel.

Nach 01:40 Std. erreicht der Zug sein Ziel, AGUAS CALLIENTES.

Erst jetzt wird klar, warum MACHU PICHU erst so spät

entdeckt wurde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

AGUAS CALLIENTES

 

 

...liegt auf etwa 1050m in einer Senke zwischen 2800m hohen, senkrechten Berghängen, wo zwei reißende Flüsse zusammenlaufen. Die Stadt verteilt sich um den zweigleisigen Bahnhof und ist offenbar unkontrolliert gewachsen.

Sie entstand um Touristas zu bewirten, die das auf einem der hohen Gipfel liegende MACHU PICCHU besuchen wollen. Restaurants, Bars, Hostals und Hotels.

Im Centro ein grösseres Estadio, in dem von 05:00 bis 23:00 Footbal gespielt wird. Andere Freizeitaktivitäten gibt es kaum.

Es gibt ausser den vielen Bussen, die die Touristas nach MACHU PICCHU fahren keinerlei Autos und keine Strassen.

Der Ort ist definitiv nur mit einer den beiden opperierenden Bahngesellschaften oder zu Fuss aus der etwa 20km entfernten Miniortschaft HYDROELECTRICA

zu erreichen. Entsprechend teuer ist die Bahn.

 

Das Klima ist ganzjährig tropisch heiß und sehr feucht. Dennoch darf man nicht mit kurzen Ärmeln oder unbedeckten Beinen laufen, denn es gibt Herrscharen von schwarzen Sandflies, die sich auf alles stürzen was nicht bedeckt ist. Repellent zwecklos.

Man bemerkt nicht, dass zeitweise hunderte Sandflies gleichzeitig auf einem einzelnen Arm sitzen. Erst wenn sich die Bisse entzünden und fürchterlich jucken.

 

Von AGUAS CALLIENTES startet der steile Weg hinauf auf den Gipfel von MACHU PICCHU, der (bis ganz oben)

aus 5445 Treppenstufen besteht.

Etwa zwei Stunden werden benötigt um zum Eingang der Anlage zu gelangen.

 

 

 

 

MACHU PICCHU               ( der eigentliche Grund der gesamten Reise )

 

In einer Höhe von etwa 2450m sind etwa 110 Gebäude gut restauriert worden. Auch die offenliegenden Wasserleitungen der Stadt sind noch in Betrieb.

Die Stadt wurde schätzungsweise erst um das Jahr 1450 erbaut. Etwa 2000 Menschen lebten hier.

Warum der Ort verlassen wurde ist unter den Forschern ebenso umstritten wie die Entdeckung.

 

Machu Picchu ist eine der grössten Attraktionen in ganz Südamerika und steht seit 1983 auf der Liste des Weltkulturerbes der Unesco.

Weiterhin gehört die Stadt zu den „neuen Weltwundern“....

 

Ein erhabenes Gefühl, auf einer der vielen grasbewachsenen Terrassen zu sitzen und aus 2600m Höhe die etwas unterhalb gelegene alte Stadt und die umliegenden Berge und Gipfel zu geniessen.

Sandflies werden ignorriert.

Wir bleiben lange, frühstücken hier oben, geniessen Stimmung und Landschaft und beobachten die vielen kreisenden Vögel.

 

 

Der vorläufige Höhepunkt auf unserer Südamerikareise.

 

 

Hierher wird man so schnell nicht noch einmal kommen.

Die Menge der Besucher verläuft sich gut in diesem riesigen Areal. Nur 2000 werden pro Tag eingelassen.

 

Wir hatten Glück mit der Menge der Touristen wie auch mit dem Wetter.

Noch am Vortag regnete es ergiebigst und ununterbrochen.

 

 

 

WAS EINE STIMMUNG - WAS FÜR EIN GEFÜHL .........
WAS EINE STIMMUNG - WAS FÜR EIN GEFÜHL .........

 

 

 

 

CANON DE COLCA

 

 

Die gewaltige Schlucht des Rio Colca gehört zu den grossen, landschaftlichen Erlebnissen in Peru.

Malerisch eingerahmt ist dieser Canyon von über 6000m hohen Vulcanos.

Man erreicht den Aussichtpunkt bei Cabanaconde von Arrequipa aus über den 4800m hohen Pass bei Patapampa.

Von hier bietet sich ein phantastischer Blick über die kage Andenregion und das 2500m tiefer befindliche Colcatal. Es soll eines der tiefsten Täler auf dem Globus sein.

Höhepunkt dieser Tour ist „Cruz del Condor“ und der Mirador de Tapay, zwei Aussichtspunkte, von wo aus man in die über 100km lange Schlucht blicken und wilde, in der Thermik kreisende Condore beobachten kann. Manchmal...

Nachdem wir eine Stunde vergeblich gesucht hatten, lassen sich dann doch noch ein paar dieser riesigen Vögel blicken. Sie brauchen die Thermik. Nur in der Vergrösserung eindeutig zu erkennen sind es aber echte Condore.

Ein besondres Erlebnis, in dieser Bergwelt.

Der Preis hierfür ist eine siebenstündige Busfahrt in einem schrottreifen „Luxusbus“.....

Es hatte damit begonnen, dass wir unseren Weiterflug um einen Tag zu weit nach hinten geplant und somit einen Tag zu viel in Cuzco hatten.

Wenn man schon „alles“ gesehen hat bleiben noch die kleineren Attraktionen, die man sich sonst geschenkt hätte. So gehen wir ins Museo de Chocolada und bestellen eine Tasse Kakao. Dieser schmeckt herrlich lecker, hat jedoch böse Nebenwirkungen:

Während dieser bei Petra wie ein Stein im Bauch liegt, ist er für Andi einfach nicht gemacht. Es gibt einen Durchfall wie seit Kindertagen nicht mehr.

Und weil dies noch nicht genug ist auch noch die Kotzerei, für eineinhalb Tage.

Na prima.

Hinzu kommt am nächsten Tag die lange Busfahrt in einem grossen Reisebus bei dem die Heizung auf volle Pulle nicht abgeregelt werden kann, Fenster die sich nicht öffnen lassen, Klimaanlage defekt, die Sitze teilweise nicht mehr befestigt, Rückenlehnen ohne Widerstand und eine Bremsanlage, die bei jeder leichten Bremsung links eine Vollbremsung auslöst. Gefühlte 45°C in der prallen Sonne... Auf den Passstrassen ohne Sicherung... Hoffentlich geht das gut !

Die Tür nach vorne darf „wegen Policia“ nicht geöffnet werden.

Es sind sechs Personen vorne, plus Fahrer und sie feiern während der Fahrt offenbar eine Party.

Erst als die Passagiere gewaltsam ein Fenster aufbrechen wird es erträglicher.

 

Sieben Stunden später sind wir in Chivay.

Wir sind so daneben, dass wir gleich hier ein Hostal beziehen und erst mal ausspannen.

In Chivay gibt es eine Heilquelle, die salzig-schwefelig mit etwa 65°C aus dem Berg läuft und ein kleines Schwimmbad versorgt. Hier verbringen wir den restlichen Tag, mit ein paar Indios und prima Bewirtung direkt im warmen Wasser.

Unser Bus steht noch lange mitten im Ort, es wird gebastelt, der Motor springt nicht mehr an.

 

Erst vor einer Woche war der Vulkan Sabancaya bei Chivay ausgebrochen. Wir hatten in Cuzco schon davon gehört. Es gab eine riesige Aschewolke, die die umliegenden Orte eingestaubt hatte. Auch der Luftraum war gesperrt. Es gab ein heftiges Erdbeben, bei dem viele Mauern und einfache Gebäude eingestürzt waren.

Viele Menschen wohnen nun in Notzelten...

Obwohl noch immer Lava den Berg hinab fliesst und der Berg noch böse raucht hat man in Chivay keine Angst. Ein kleines Tal liegt schützend davor.

Erst 2003 gab es den letzten Ausbruch des Sabancaya.

Er ist der aktivste von hunderten Volcanos in Südamerika.

Es besteht offenbar keine Gefahr mehr, die Erdrutsche sind beseitigt und alle Strassen wieder passierbar bzw. geöffnet.

 

Am nächsten Tag fahren wir die restlichen 75km am Sabancaya vorbei bis in den Colcacanon und nachmittags zurück nach Arequipa.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

AREQUIPA                          ( La Ciudad blanca, die weisse Stadt )

 

 

Diese Stadt liegt schon wieder auf einer grossen Andenterrasse. Nach Süden blickend auf 2335m hat man fast immer Sonne. Im Hintergrund wieder ein herrliches Andenpanorama mit hohen, schneebedeckten Vulkankegeln.

Arequipa ist Universitätsstadt und seit 2000 ebenfalls Unesco Weltkulturerbe.

Eine typische, südamerikanische „Kleinstadt“.

Etwa 1 Mio Menschen leben hier, überwiegend von Landwirtschaft, zunehmend aber auch vom Tourismus.

Besucher kommen, um den schönen, alten Stadtkern zu sehen aber auch um Touren in die Anden zu unternehmen – so wie wir.

 

 

 

KLOSTERSTADT SANTA CATALINA, die Hauptattraktion.

 

Verwinkelte Gassen, Zellen, winzige Gärten, Andachtstuben. Eine komplette, kleine Stadt hinter dicken Klostermauern; direkt im Centro.

Santa Catalina ist Arequipas grösste Attraktion.

Von der Witwe eines reicheren Bürgers 1579 gegründet ist ein kleinerer Teil bis heute von Nonnen des Domenikanerordens bewohnt.

Der Grossteil ist zugänglich und kann besichtigt werden.

Eine Oase der Ruhe, inmitten einer quirligen Großstadt.

 

 

 

 

MUSEO SANTUARIO ANDINOS      

 

Hier erfährt man die Geschichte um

die gefrorene Mumie der „Juanita“....

 

Wenn die Götter verärgert waren, blieb den Incas nur die heilige Zeremonie um sie wieder gut zu stimmen....

 

Um 1450

wird in einer adeligen Familie in PUNO „Juanita“ geboren, ein Mädchen, dass wegen seiner Schönheit auserwählt wird, auf einem der heiligen Berge den Göttern geopfert zu werden.

Als QAPAK QOCHA, die Auserwählte soll sie zu den Göttern reisen und selbst eine Gottheit werden.

Sie wird in den folgenden Jahren behütet, beschützt, besonders ernährt und erzogen.

In einem wochenlangen, 580km langen Fussmarsch wird Juanita jahre später nach Cuzco verbracht wo sie auf ihre besondere Aufgabe vorbereitet wird.

Bei einer starken EL NINO-PERIODE leidet das Land unter einer gewaltigen Dürre, da kein Regen fällt.

Als der Vulkan SABANCAYA, der alle paar Jahre ausbricht, wieder einmal aktiv ist und die Dauereiskappe des benachbarten Vulkanes Apu Hamp´atus kurzzeitig durch die Hitze abschmilzt, ist der perfekte Zeitpunkt gekommen:

Zusammen mit ein paar Priestern wandert die etwa

13 jährige Juanita den hohen Vulkan herauf, bis auf 6390m. Unvorstellbar bei dieser Höhe, den eisigen Winden und Temperaturen weit unter Null Grad. Die Schuhe aus Lamaleder und Alpacawolle werden öfter gewechselt, sie gehen immer wieder kaputt.

Es muss eine Tortour gewesen sein und Juanita wird sich gewünscht haben, dass dies bald zu Ende ist.

In einer feierlichen Zereminie wird ihr CHICHA CHOR, ein Drink aus Mais und Kräutern verabreicht, der sie in einen tranceähnlichen Zustand versetzt.

Mit edelsten Tüchern wird sie zugedeckt und mit einem gezieltem Schlag auf das Stirnbein getötet - nein geopfert und sodann feierlich bestattet.

Mit allerlei feinem Keramiken und Goldbeigaben.

 

Für die Götter....

 

 

 

 

1995....

 

Am 08.09.1995 der Nachbarvulkan war gerade wieder aktiv und die Eiskappe ist geschmolzen, wird zufällig bei einer Expedition unter Leitung des Forschers Johan Reinhard eine tiefgefrorene Leiche gefunden.

ein etwa 13-jähriges Mädchen...

 

In den USA mit CCT untersucht kommt sie 1999 zurück nach Arequipa, wo sie seitdem bei minus 20° in einem Glassarg von der Öffentlichkeit bestaunt werden kann.

 

Juanita ist keine Mumie im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr eine Eisleiche. Sie war über 500 Jahre auf 6380 Metern Höhe bei etwa -20° tiefgefroren und blieb daher sehr gut „erhalten“.

 

Man hat auf mehreren Vulkanen insgesamt 16 Knaben und Mädchen gefunden, die alle von den Incas den Göttern geopfert wurden.

Anhand der Grabbeigaben kann gesagt werden wofür: , Silber für PACHAMAMA (Mutter Erde),  Gold für Sonne

und Kupfer für Wasser.

 

Ein kleines Museo zeigt die Originalkleidungsstücke und Grabbeigaben Juanitas. Sie sind nach mehr als 500 Jahren nahezu perfekt erhalten und sehen aus wie neu.

Im Film am Ende der Führung, wird diese Geschichte lebendig und sehr berührend dargestellt.

 

 

 

Arequipa:

 

 

Am „TERRAPORT“ in Arequipa treffen wir Rolf und Claude wieder. Sie fahren 30 Minuten eher Richtung Paracas - wir nach Ica.

Wir wählen diesmal die Busgesellschaft „CRUZ DEL SUR“

und sind überrascht:

Der Bus scheint nagelneu und ist in Bestzustand. Er ist wohltemperiert, läuft sehr ruhig, es gibt Decken, Kissen, gutfunktionierende Bord-WCs, sowie einen aufmerksamen Steward, der die Mahlzeiten serviert....

Das Gepäck wird durchsucht und kontrolliert und es wird niemand ohne Bordkarte hinzusteigen. ( !! )

 

Gegen 08:00 am nächsten Morgen, sind wir nach 12 Busstunden in Ica.

 

 

 

 

 

ICA     Villa de Valverde (??)      14°04´S 75°52´W

 

 

Eine Kleinstadt mit guter Infrastruktur – so der Reiseführer.

( 200.000 Einwohner !!)

Das Zentrum des peruanischen Weinanbaus.

Tatsächlich ist es laut, chaotisch und staubig-heiss. Es ist Sommer geworden, wir sind nicht mehr in den Anden, sondern auf niederen Höhen.

In Ica fährt man Tuk-Tuk.

200.000 Menschen fahren 1000de Tuk-Tuks  und alle fahren gleichzeitig über-, nein in Kreuzungen und als ob man durch Lautstärke Fahrgäste gewinnen würde hupen sie alle um die Wette.

Auch unser Fahrer hat stets einen Finger auf der Hupe und irgendwie hat er ein nervöses Zucken, genau in diesem Finger. Obwohl sein Taxi „besetzt“ ist.

 

Die Luft in Ica kann man schneiden. So unglaublich abgasgefüllt ist diese durch die vielen 2-Takter, eher nicht zum Atmen geeignet.

Als Stadt gefällt uns Ica daher weniger....

 

 

 

 

HUACACHINA                                14°05´ S 75°45´ W

 

...nennt sich eine kleine Siedlung, nur 8km von Ica entfernt.